Wasser des Lebens

Liebe führt

von der Quelle bis zum Meer.

Sie tritt zutage

wo niemand sie vermutet.

Unaufhaltsam

bahnt sie sich ihren Weg.

Hindernisse

umfließt sie mit Leichtigkeit.

Bäche und Flüsse

nimmt sie in sich auf

und trägt sie weiter.

 

 

Lebensraum ist sie

für alle Geschöpfe,

Fruchtbarkeit bringt sie

nahen Gefilden.

Sie trägt alle,

die sich ihr anvertrauen.

Ist von Dauer,

wird tiefer und tiefer,

und breitet sich endgültig aus.

Ende und Anfang,

geht auf sie im Meer.

 

 

Überwindet Grenzen,

steigt in himmlische Höhen,

wird wolkenzartes Gebilde,

verletzlich zwar,

doch unzerstörbar.

Weint Tränen

von Schmerz und Freude,

versinkt im Schlamm –

und tritt unerwartet zutage.

„Steh auf und geh“ – Von der Heilkraft biblischer Texte

Der Theologe und Psychotherapeut Arnold Mettnitzer legt ein Buch vor, das die Bibel nach ihrem therapeutischen Aspekt beleuchtet.

Im Zentrum der Bibel steht nicht Gott, sondern der Mensch, mit seiner Geschichtlichkeit, seiner Endlichkeit und Unzulänglichkeit, seinem Weg und seiner Bestimmung. Vom ersten bis zum letzten Buch der Bibel steht der Lebensweg des Einzelnen im Mittelpunkt. Irrwege, Umwege, Sackgassen werden beschrieben und Erfahrungen berichtet, deren tiefe Wahrheit und therapeutische Kraft erstaunlich modern wirken.

Der Autor unterscheidet drei große Erzählstränge: der Weg aus der Sklaverei in die persönliche Freiheit, das Thema der Reinigung, Klärung, Korrektur und Klarheit sowie die Erfahrung der Sinn- und Identitätskrise und deren Bewältigung. Nicht ohne bereits in der Einleitung zu warnen, das Buch zum Götzen und damit die Worte zur letzten Wahrheit zu machen.

Selbstwerdung

Ein biblisches Grundanliegen ist die Selbstwerdung. Aber nicht in dem heute gebräuchlichen Sinn der Selbstverwirklichung, die meist in Ich-Verwirklichung ausartet. „Selbst“ im Sinne C.G. Jungs meint die Ganzheit der Seele im Gegensatz zum fragmentarischen „Ich“. „Es ist zunächst reine Möglichkeit, die zur Wirklichkeit werden kann…“, stellt Mettnitzer klar.

Da wären einmal die Weinberggleichnisse, die zeigen, was Wachstum, Entwicklung und Selbstwerdung bedeuten. Es geht dabei gerade nicht ums „Machen“, vielmehr um Entfaltung des Potenzials, das – gefördert durch das Düngen – dann doch wie von selbst geschieht. Was wir brauchen, ist ein Wandel von einer „Ressourcenausnützungskultur“ hin zu einer „Potenzialentfaltungskultur“, und genau das ist das zentrale Anliegen der Weinberggleichnisse. Es geht um das „Gelingen“, und das kann man nicht „machen“, sondern es muss wachsen. Dieses Wachstum ist auch abhängig von den Bodenbedingungen, von der Epigenetik, würden wir heute sagen.

Begegnung und Weg

Bedeutsam auch die Begegnung mit der Samariterin am Jakobsbrunnen. Es geht nicht um Belehrung, sondern um eine heilsame Begegnung. Kein „du sollst“, kein „du musst“, auch kein „du wirst jetzt!“ So auch das „Steh auf und geh!“ an anderen Stellen, das die Betreffenden wieder auf ihren inneren Weg stellt.

Das Leben ist kein Zustand, sondern ein Weg, eine Wanderung, eine Wallfahrt. Die Heilungen in der Bibel machen die Menschen wieder beweglich. Das „Steh auf und geh!“ setzt den bisher Lahmen wieder auf den Weg. Er kann wieder auf eigenen Füßen stehen und gehen. Auch der Blinde ist im Gehen und Orientieren eingeschränkt. Und das „Deine Sünden sind dir vergeben!“ räumt den ganzen Schutt beiseite, der das Gehen behindert. Damit sind wir beim ungeliebten Begriff der „Sünde“: „Alles was diesen inneren Möglichkeiten entgegensteht und den Menschen daran hindert, zu wachsen und zu reifen, nennt die Bibel ‚Sünde‘“.

Himmlische und irdische Liebe

Ein unerschöpfliches Thema ist Religion und Sexualität, wobei hier vieles schiefgelaufen ist. Die Bibel unterscheidet nicht zwischen der Liebe Gottes und der menschlichen Liebe, sie verwendet dafür ein und dasselbe Wort. Und im Bereich der menschlichen Liebe steht dieselbe Wortfamilie für die Liebe zum Nächsten und die sinnliche Erotik. „Die hebräische Bibel kennt also weder die christliche Differenzierung zwischen himmlischer und irdischer Liebe, noch teilt sie die menschliche Existenz auf zwischen ‚heilig‘ und ‚weltlich‘.“ Liebe ist Ergriffenheit und Sorge um das Wohl des anderen.

Nicht Seele haben, sondern Seele sein

Auch mit dem Begriff „Seele“ ist es nicht so einfach, denn der kommt im Neuen Testament gar nicht vor. Das kommt auch daher, dass der Mensch damals als Einheit gesehen wurde, die heute immer mitgedachte Spaltung zwischen Körper und Seele kam sehr viel später. Im biblischen Hebräisch heißt die den Körper belebende Kraft „nefesch“, „neschama“ und „ruach“. Alle drei Begriffe haben mit dem Atem zu tun. Der Lebensatem ist das, was den Menschen lebendig macht. Der Mensch hat also nicht Seele, sondern ist Seele. Leben ist das, was an Potenzial im Menschen steckt, und „Leben beinhaltet mehr Potenzial als menschlicher Verstand sich auszudenken vermag“. Die „objektive“ Biografie sagt immer viel zu wenig.

Weg und Ziel

Gefährlich auch, wer sich am Ziel wähnt. Mettnitzer zitiert André Gide, der rät, sich an die zu halten, die die Wahrheit suchen, und sich vor denen zu hüten, die glauben, sie gefunden zu haben. Und gerade das vermittelt die Bibel nicht…

 

Arnold Mettnitzer

„Steh auf und geh. Die therapeutische Kraft biblischer Texte“

Verlag Styria premium 2013, Halbleinen, 160 Seiten

ISBN 978-3-222-13421-0

EUR 16,99

 

Glauben heute – Wie geht das?

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„Glauben – Wie geht das? Wege zur Fülle des Lebens“ von Matthias Beck

Nach seinem viel beachteten Buch „Leben – Wie geht das?“ hat Matthias Beck, Pharmazeut, Arzt, Philosoph, Theologe und Priester, ein Buch vorgelegt, in dem es um die Frage geht, wie man Glauben in der heutigen Zeit vermitteln kann. Der Autor beweist: Man kann!

Kirche und Christentum werden heute viel diskutiert, das Spektrum reicht von den Missbrauchsfällen bis zum Staunen über den neuen Papst. Viel notwendiger wäre es aber, sich ernsthaft mit dem Thema zu beschäftigen. Dazu ist es hilfreich, hinter die Kulissen zu schauen. Dem stehen eben diese Kulissen im Weg: Falsche Gottesbilder stehen nicht nur einem vernünftigen Glauben im Wege, sondern führen andererseits auch dazu, dass Kritiker etwas kritisieren, was eigentlich nicht Christentum ist.

So wird der Kirche – und damit dem Christentum – vorgeworfen, die Menschen unterdrückt und abhängig gemacht zu haben, was ja auch…

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Migrationsstress in Österreich

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Die Plattform Christen und Muslime hat am 7. Oktober den Pastoraltheologen Paul M. Zulehner eingeladen, seine Studie über Migration in Österreich vorzustellen: Muslime und Muslimas im Stress der Integration.

Vorweg: Es war eine hochinteressante Präsentation, die Paul Zulehner noch mit persönlichen Gedanken anreicherte. Im Publikum saßen wieder einmal christliche PensionistInnen muslimischen Jugendlichen gegenüber. Auch das sollte uns etwas sagen…

Die medial indoktrinierte Meinung besagt, dass der Islam zur Belagerung Europas ansetzt und 2015 die Mehrheit in der Bevölkerung stellen wird. Dem steht die Realität gegenüber. Solch dümmliche Hochrechnungen können wir getrost vergessen. Der Islam in Europa wird sich wandeln und die Kinderzahl wird mit steigender Bildung, wie überall auf der Welt, abnehmen. Nur so viel zur medialen Verunsicherung.

Starke Religiosität bei abnehmender Bindung an die Gemeinschaft

Verglichen wurden die erste und zweite Generation der Migranten. Was die Säulen des Glaubens betrifft (Gebet, Glaubensbekenntnis, Fasten, Almosen, Wallfahrt), ändert sich nichts, es…

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Matilda Leko: Was ist Jazz?

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Matilda Leko Trio – mit Nikola Stanosevic piano und Andy Mayerl bass – brachte den Wiener Jazz-Club ZWE zum Kochen! Angekündigt als Gipsy Jazz wurde die Veranstaltung zum Lehrstück in Sachen Jazz!

Gipsy Jazz ist selbstverständlich eine der Stärken der Mezzo-Roma Matilda Leko – sie darauf zu beschränken ein Ding der Unmöglichkeit. Sie begann ihr Programm mit „Different Point of View“, einer Eigenkomposition aus ihrer gleichnamigen CD, und endete mit einem – ebenfalls selbst komponierten – Wienerlied „Passt scho“, in dem sie mit typischer Wienerlied-Stimme schmunzelnd die Wiener Mentalität auf die Schaufel nimmt. Was sich dazwischen abspielte war ein emotionales Feuerwerk, in dem die Künstlerin den kompletten Fächer des Jazz ausbreitete. Die „kleine“ Fangemeinde der Sängerin hatte zwar kaum Platz in ZWEs Räumlichkeiten, man stieg einander friedlich auf die Zehen und blessierte schon mal die hübschen Knie einer Kollegin – Künstlerneid ist anscheinend auch ein Fremdwort in Matildas Fan-Club –…

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Anonyme Alkoholiker und die selbstlose Liebe

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Nicht mehr trinken müssen, das Wir-Gefühl und das Vertrauen in eine höhere Macht.

Alkoholiker sind anonym. Wetten, ihr kennt alle irgendwelche Alkoholiker, ohne es zu wissen? Nicht Menschen, die sich hin und wieder volllaufen lassen, sondern Menschen, die vom Alkohol abhängig sind, die alkoholkrank sind. Eine Krankheit, die man jemand nicht unbedingt ansieht.

Ich kenne einen, von dem ich es auch nicht wusste und der sich bei einem unserer letzten Treffen als Anonymer Alkoholiker outete. Also als Alkoholabhängiger, der irgendwann beschlossen hatte, so nicht mehr weitermachen zu wollen. Meist ist ein Gespräch mit einem AA-Freund, wie sich die Anonymen Alkoholiker nennen, der Auslöser. Es geht! Das ist die Erfahrung. Aber es geht nicht alleine!

So ist das, was die Anonymen Alkoholiker ausmacht, nicht (mehr) der Alkohol, sondern die Gemeinschaft. Es gibt dort keine Rezepte, sondern nur Zusammenhalt und absolute Offenheit. Jede/r kann kommen, jede/r ist willkommen, jede/r wird mit Du…

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Makellose Hässlichkeit – oder faszinierend inklusive „Schönheitsfehler“

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Ein flehentlicher Appell an alle, die sich eine „Schönheitsoperation“ zu Weihnachten wünschen!

Wir leben in einer „Kultur“, die nur mehr das Gegenständige, Materielle anerkennt. Konsequenterweise bleibt uns dann nur der Körper, um unsere Menschlichkeit zu fühlen. Unsere Zeit ist körperlastig, wir geben dem Körper (im Vergleich zu allem anderen, das eigentlich auch nicht unwichtig wäre) zu viel Gewicht – daher auch das rasant zunehmende Problem der Fettleibigkeit, oder der Bulimie bei denen, die in die andere Richtung gehen. Bei beiden Extremen liegt der Fokus auf dem Körper.

Konsequenterweise zählt dann nur mehr der jugendliche Körper. Wer der Pubertät entwachsen ist, lässt seinen Körper regelmäßig vom „Schönheitschirurgen“ tunen, um auch noch als 50- oder 60-jährige als pubertär durchzugehen. Oder man redet sich das wenigstens ein, denn das Ergebnis ist meist so, als wäre die Betreffende eben erst von Archäologen in einem altägyptischen Königsgrab entdeckt worden.

Bis es soweit ist, hält der…

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