Schöner Wohnen

Davon träumen doch alle: eine Wohnung, ein Haus, Gemeinsamkeit – und dann?

Das Wohnen soll für Beziehung stehen, das Haus, die Wohnung für das, was man gemeinsam baut, gemeinsam einrichtet. Es ist manchmal sinnvoll, in Bildern zu sprechen, auch wenn wir das längst verlernt haben. Wir wissen ja gar nicht mehr, dass etwa das geozentrische Weltbild nicht widerlegt ist, sondern einfach einer anderen Sprache entstammt: das Materielle, das vom Seelischen, Spirituellen und Geistigen umgeben ist. Das stimmt als Bild so noch immer, auch wenn wir längst wissen, dass die Erde die Sonne umkreist und nicht umgekehrt. Aber vom Planeten Erde war im „geozentrischen“ Weltbild ja gar nicht die Rede. Was damit ausgesagt wurde, ist nicht widerlegt, sondern vergessen.

In unserer heutigen schnelllebigen Zeit müssen auch Beziehungen rasch und problemlos auf Schiene gestellt werden. Das Haus ist heute schnell gebaut, eine Hütte steht mit ein paar Handgriffen, und auch ein „richtiges“ Haus ist als Fertigteilbau in drei Tagen „bezugsfertig“. Aber wenn die Freude über die neuen Wohnverhältnisse ebenso rasch verfliegt, ist die Wohnung rasch wieder leer, auch wenn man noch zusammen ist. Und selbst wenn man es gar nicht will, es kracht im Gebälk, Wände, die Freiraum schaffen sollten, werden eingerissen, Lügengebäude stürzen ein, und irgendwann kracht das ganze Gebäude zusammen und es bleibt nichts als Bauschutt. Man bemerkt – zu spät – dass man gebaut hat, ohne auf den Grund zu achten. Der Baugrund war eigentlich nicht zum Bauen geeignet, das Fundament trägt nicht. Da hilft dann das schönste Haus nichts, es war ein Kartenhaus.

Und da der Mensch ein Gewohnheitstier ist, immer nach demselben Muster agiert und reagiert, kommen neue Beziehungen, neue Wohnungen, neue Häuser, fallen genauso in sich zusammen. Man gibt die Schuld dem Partner, der alles versprochen und nichts gehalten hat, der gelogen und betrogen hat, oder sich einfach anders entpuppt hat als in der Eile des Gefechts angenommen. Aber nach mehreren solchen Projekten beginnt man zu denken: Immer dasselbe Muster, was habe ich selbst dazu beigetragen? Ist es nicht mein Muster? Und daher immer dieselben Akteure?

Ist die Fertigteilbauweise nicht eine Illusion? Und hat man nicht dauernd auf Sand gebaut? Man ist müde vom dauernden Bauen, der wechselnden Baustellen, die immer Arbeit, Anstrengung, mitunter auch Drecksarbeit, Keller ausheben, Fassaden aufziehen, Dach einrüsten usw. bedeuten. Und am Ende sieht man, es war ohnehin vergeblich! Auch wenn das angestrebte Ziel ein schönes Haus ist – wenn etwas schief geht, bricht das ganze zusammen und es bleibt nur Bauschutt, und das Wegräumen braucht wieder Zeit und Arbeit. Am Ende sollte ein bewohnbares Haus stehen, Gemeinsamkeit, Vertrauen, Liebe – und dann wieder nur Verzweiflung. Das Vertrauen in das Vertrauen schwindet.

Wie aus diesem ermüdenden Kreislauf herauskommen? Keine neue Baustelle, keine Wohnung, kein Haus mehr. Angst…  Angst, es könnte wieder so enden. Das eigene Leben in die Hand nehmen. Ohne neue Baustelle. Selbständig, allein, einsam, frustriert, verzweifelt – ist das die Lösung?

Oder das bisherige Muster reflektieren. So will ich es nie wieder. Aber wie anders? Ich bin müde. Ich kann nicht mehr. Wie soll ich es in diesem Zustand alleine schaffen?

Oder Innehalten, Besinnung. Was hat denn immer gefehlt? Worauf haben wir nie oder kaum geachtet? Ein solides Fundament und ein tiefer Grund, auf dem man ein Haus hätte bauen sollen. Nicht gleich mit dem Hausbau beginnen…

Was dann? Eine neue Baustelle kommt nicht infrage. Dazu fehlen Energie und Vertrauen. Aber warum nicht anfangen mit dem, was immer gefehlt?

Wenn am Horizont jemand auftaucht, der (wieder) von Gemeinsamkeit spricht, mit dem man sich sogar Gemeinsames vorstellen könnte – wäre da nicht diese Angst, wieder auf die Nase zu fallen… Nur keine neue Baustelle, das ist jetzt einfach nicht zu schaffen.

Aber auch ein Haus muss auf einem Grund aufbauen, worauf die gängigen „Baustellen“ meist vergessen. Warum nicht dort beginnen, wo andere aufhören. Beziehung braucht zuallererst einen tiefen Grund. Ein Grundstück, auf dem zunächst mal gar nichts steht oder gebaut werden muss, das aber die Bedingung für alles Weitere ist, auch wenn all dies zunächst völlig offen bleiben kann.

Diesen Grund muss man nicht bauen, den muss man finden. Er ist entweder da oder nicht. Wenn man den Eindruck hat, er ist da, dann hat man ihn gefunden. Und er ist zunächst ein Stück Natur, d.h. eigentlich ein Geschenk! Warum sollte man es nicht annehmen?

Erst dann kann man dieses Grundstück kultivieren, verschönern, bepflanzen mit Blumen, Kräutern, fruchtbringenden Bäumen… Alles am Boden. Noch immer keine Baustelle, kein Haus, das in sich zusammenfallen könnte. Ein Stück freier Natur, auf dem man sich treffen, austauschen, gemeinsam pflanzen, gießen, planen, beobachten, genießen, innehalten, in der Sonne liegen kann. Licht und Wärme statt vorzeitiger Mauern.

Voraussetzung ist, dass es diesen tiefen Grund überhaupt gibt. Aber wenn, dann ist es nicht mal entscheidend, ob der andere das auch so sieht. Wenn nicht, dann beginnt man eben mit dem Pflanzen, Gießen, kultivieren. Und wenn der andere dann doch überraschend vorbeikommt, sind bereits die ersten Knospen da, an denen man sich schon gemeinsam freuen kann. Und dann wird man den Garten gemeinsam  weiter bepflanzen, pflegen und gestalten.

Dazu braucht es keine Baustelle, kein Haus, nicht mal ein Gartenhaus. Das mag zwar irgendwann passieren, muss dann aber auch gar nicht gängiger Architektur entsprechen, sondern einzig und allein unseren Vorstellungen und Bedürfnissen. Wir haben ja gemeinsam den Boden bereitet, Blumen und Bäume gepflanzt, Früchte (Projekte…) geerntet usw.

Und sollte dann wirklich einmal der Wunsch nach einem Haus wachsen, wird es auf einem soliden Grund stehen.

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