Was wäre, wenn…

Liebt‘ ich dich nicht,
hätt‘ Ruhe mein Herz.
Sehnt‘ ich mich nicht,
könnt‘ ruhen in mir.
Vermisst‘ ich dich nicht,
könnt‘ allein sein mit mir.
Hätt‘ dein Gesicht nicht vor mir,
könnt‘ seh‘n ich, was hier.
Gingst mir aus dem Sinn,
könnt‘ tun, was beliebt.
Verstünd‘ ich dich nicht,
bliebst fremd mir und fern.
Wär nicht unser der Weg,
Könnt‘ geh’n ich den meinen.
Wär da nicht ein Wir,
Könnt‘ sein, wie ich bin.
Wärst du mir nicht nah,
könnt‘ geh’n meinen Weg.
Liebt‘ ich dich nicht,
– wär‘ alles nichts.

Realität und Fantasie und Wirklichkeit

Kann es sein,
dass virtuelles Eintauchen
so wirklich und real?
Dass Raum und Zeit,
äußere Ferne und innere Nähe
derart fließen in eins?

Aufsaugen aller Facetten,
Einfühlen ins gemeinsame Feld?
Ahnen, was dich ausmacht,
wo du reich bist und machst,
was dir fehlt?

Ein bald blühender Garten,
virtuell noch, doch wirklich,
so wirklich, wie etwas
nur sein kann,
was ist.

Die virtuellen Bäume
ragen in die Realität.
In ihrem Schatten
ist gut ruh ‘n und träumen,
doch bald schon –
ist‘s wirklich zu spät?

Die Zeit vergrößert
die Kluft zur Realität.
Die Brücke, zart gebaut
zwischen Träumen und Sein,
verschwindet im Nebel,
alles ergraut.

Kein begehbares Holz,
kein zu ersteigender Baum,
zarte Pflanzen suchen
mit tiefsten Wurzeln
nach rettendem Wasser
im endlosen Raum.

Emanzipation

Nach einem eher „unerfreulichen“ Gedankenaustausch auf FB kann ich nicht umhin, ein paar Gedanken loszuwerden.

Eigentlich habe ich nichts anderes verbrochen als ein Post geteilt, bei dem es darum ging, dass eine Firma statt der üblichen bulimischen Models ganz normale (und gebildete) Frauen abgebildet hat, die in meinen Augen weit besser aussahen als all die berühmten und gut bezahlten Magermodels. Meinen Kommentar fasste ich in ein kurzes Wortspiel: „Ok, Mädels, jetzt können die Models einpacken!“
Was eine meiner ältesten fb-Freundinnen derart in Rage brachte, dass sie mir verbal mit dem Arsch ins Gesicht fuhr. Das begann mit „Wir sind gestandene Frauen, und keine Mädels…“ (als hätte ich Frauen über 40 angesprochen), den Rest spar ich mir mal. Wortspiel zu ernst genommen und den Sinn des Postings überhaupt nicht verstanden. Tröstlich, dass ich sofort eine Schar wirklich gestandener Frauen an meiner Seite hatte, die das Gezeter ebenfalls deplatziert fanden. Und als ich am Ende meine Meinung kundtat, dass man so humorlos und verbissen die Emanzipation jedenfalls nicht vom Fleck kriegen wird, wurde ich kurzerhand entfriendet.

So schadet sich die Emanzipation wohl selber am meisten. In diesem Fall scheint eine massive Traumatisierung dahinter zu stehen, aber auch prinzipiell wird die Richtung der Emanzipation sehr oft verfehlt. Kann es darum gehen – bleiben wir einmal in der Wirtschaft – dass möglichst viele Frauen in männliche Domänen vordringen? Schon klar, es sollte Chancengleichheit geben. Wenn eine Frau für sich ein Ziel hat, dann sollte sie dieses unbehindert verfolgen und genauso aufsteigen können wie die Männer. Es dürfte ihr kein Hindernis in den Weg gelegt werden dürfen, nur weil sie eine Frau ist. Aber warum sieht man die paar Frauen, die das schaffen, im Nadelstreif mit todernstem Gesicht 16 Stunden am Tag arbeiten – wie die Männer? Kann es das Ziel sein, dass Frauen Männer in ihrem „Männlich Sein“ nacheifern oder sie gar überbieten (müssen)? Ist das wirklich Emanzipation? Wäre es nicht wahre Emanzipation in der Wirtschaft, den Männern zu zeigen, wie es anders geht? Dass ihre „Männlichkeit“ im Berufsleben irgendwo im Steinzeitalter steckengeblieben ist? Und dass Frauen für eine sinnvolle Arbeitswelt weit mehr beizutragen hätten, als sich Männer je träumen lassen?
Gleiche Rechte für Frauen (und das ist sicher ein absolutes Muss) kann nicht bedeuten, dass Frau ihren Mann stehen MUSS. Sie sollen jeden gewünschten Beruf ergreifen können, ohne darin behindert zu werden, aber sie sollen es um Gottes Willen nicht MÜSSEN. Wenn ich als Frau nur geachtet und beachtet werde, wenn ich den Männern in allem – ohnehin eher Negativem – gleich sein muss, dann würde ich darauf pfeifen! Emanzipation kann doch nur bedeuten, dass Frauen um ihres Frau-Seins geachtet werden und gerade deswegen.
Stattdessen reden wir von Quoten, die erfüllt werden MÜSSEN. Als ob den Frauen auch nur irgendwie geholfen wäre, wenn es 50 Prozent Kranführerinnen gibt. Auch mit 50 Prozent weiblichen Vorstandsvorsitzenden ist noch niemand gedient, vor allem nicht, wenn der Rest der Frauen diesem zweifelhaften Ideal nacheifern MUSS. Auch die Schlacht um das (ziemlich phallisch daherkommende) Binnen-I wird die Frauen nicht befreien. Das grammatikalische Geschlecht ist auch sonst nicht mit dem biologischen ident, sondern hat seine eigenen Gesetze. Das zeigt als Beispiel das Geschlecht von Sonne und Mond. Warum das gerade im Deutschen falsch ausgewiesen ist, darüber könnte man diskutieren, symbolisch ist die Sonne männlich und der Mond weiblich, daran gibt es nichts zu rütteln. Weshalb es z.B. auch im Italienischen „il sole“ und „la luna“ heißt. Aber für das richtige Geschlecht von Sonne und Mond in der deutschen Sprache auf die Barrikaden zu steigen, hat trotzdem wenig Sinn und würde nur die Energie unnötig binden.

Auch die durchaus berechtigte Gender-Diskussion gleitet meist ins Absurde ab. Klar sind Geschlechterzuschreibungen zum Teil kulturell und sozial bedingt, und darüber sollte man durchaus diskutieren. Aber deswegen das (biologische) Geschlecht abschaffen zu wollen, ist wohl das Dümmste, was das 21. Jahrhundert bislang zu bieten hat. Das scheinen allzu viele Sex und Gender durcheinander zu bringen. Man hat ja heute schon den Eindruck, wir dürfen unser Geschlecht nur mehr in der Sprache zeigen, nicht aber im wirklichen Leben, da nivellieren wir bis zur Peinlichkeit. Unisex hat ja wohl wirklich nichts mit Gender zu tun.
Tatsache ist, dass zwar vieles ins Fach überkommene Rollenbilder fällt, die zu überdenken sind, aber andererseits der Unterschied zwischen männlich und weiblich noch viel zu wenig bekannt ist. Abgesehen vom kleinen Unterschied ist auch das Gehirn geschlechtsspezifisch gebaut, der gesamte Organismus anders ausgelegt, nicht nur was die Hormone, sondern auch was z. B. die Metabolik betrifft. Die Medizin registriert erst in allerletzter Zeit, dass Medikamente bei Frauen anders wirken, oder ein Herzinfarkt bei einer Frau ganz anders ausschaut als beim Mann. Weshalb die Sterblichkeit durch Herzinfarkt bei Frauen höher ist als bei Männern, weil der Unterschied in den Symptomen zu wenig bekannt ist und der Notfall bei Frauen daher öfter übersehen wird. Es hätte also weit mehr Sinn, sich über die Unterschiede zwischen männlich und weiblich zu vertiefen, als diese nivellieren zu wollen.
Man könnte stundenlang weiterdiskutieren, aber das Prinzip sollte klar sein: Emanzipation kann nicht bedeuten, Männer und Frauen einander anzugleichen. Das wäre für beide ungesund. Es kann nur bedeuten, dass Frauen als Frauen anerkannt, gesehen und geschätzt werden, und nicht als verkappte Männer, die dann ihrerseits in die verweichlichte Rolle gedrängt werden. Dass Frauen die gleichen Rechte haben sollen, aber nicht den Männern nacheifern MÜSSEN. Dass sie jeden Beruf, den sie ergreifen möchten, auch nach Belieben ausüben können, aber nicht MÜSSEN. Eine Frau darf aber auch nicht aus ideologischen Gründen diskriminiert werden, wenn sie zuhause bleiben möchte. Sinnvolle Emanzipation sollte den Frauen nicht ihre Freiheit nehmen, sondern ihnen die Wahlfreiheit garantieren. Es kann doch nicht das Ziel sein, eine Unfreiheit durch eine andere zu ersetzen.

Was die Partnerschaft betrifft, da liegt sicher noch vieles im Argen. Von Partnerschaft kann wohl noch lange keine Rede sein. Da sitzt viel kulturell Gewachsenes noch zu tief. Da träumen viele Frauen vom „neuen Mann“, der Gefühle zeigt, der im Haushalt mitarbeitet und sich mit den Kindern beschäftigt – um dann mit den nächstbesten Macho davonzuziehen. Andere spielen nicht mehr mit und agieren selber testosterongesteuert. In der Türkei gibt es eine Untersuchung, der zufolge sogar die türkischen Macho-Männer zuhause mehrheitlich die zweite Rolle spielen. Vielleicht müssen sie deshalb wenigstens auf der Straße den Berserker rauslassen. Durchaus nicht so überraschend, trägt doch alles seinen Gegensatz in sich (Yin-Yang).
Was unterscheidet eine testosteron-getunte Frau von einer wirklich selbstbewussten Frau, die es nicht nötig hat ihre Weiblichkeit zu verleugnen? Und nur die kann das Ziel der Emanzipation sein. Man ist versucht zu sagen, nur eine Frau, die sich ihrer Weiblichkeit bewusst ist, ist auch eine starke Frau. Andererseits kann wohl nur ein Mann, der sich seiner Männlichkeit bewusst ist, eine Frau wirklich als Frau anerkennen. Aber natürlich gehört dann zur Männlichkeit mehr als das stereotype Männerbild. Es gehört wohl mehr Männlichkeit dazu, zu seinen Gefühlen zu stehen, als einem Widersacher in die Fresse zu hauen oder den Macho herauszustreichen.

Womit wir bei der Emanzipation der Männer wären. Ja, auch Männer werden diskriminiert oder diskriminieren oder disqualifizieren sich vielfach selber. Und sie werden zusätzlich noch durch die (eher schieflaufende) Emanzipation der Frauen verunsichert. Frauen müssen sich verleugnen, in der Männerwelt ihren Mann stehen, um als emanzipiert zu gelten. Männer verleugnen sich, um einer stereotypen Männerrolle zu entsprechen. Woran man immerhin sieht, dass die Frauen bereits weiter sind auf diesem Weg als die Männer. Frauen drängen aus ihrer ihnen fälschlich zugeschriebenen Rolle heraus, Männer versuchen krampfhaft, in der Stereotypie drinnen zu bleiben. Aber vielfach ist die Alternative für Frauen die Vermännlichung, die Alternative für Männer der verweichlichte Softie. Und das geht wohl beides am Sinn des Ganzen vorbei.
Irgendwie ist es daher noch Utopie, dass Frauen zu ihrem Frau-Sein stehen und auch als Frau anerkannt werden. Genauso wie es noch Utopie ist, als Mann zu seinem Mann-Sein zu stehen. Beides hat nichts mit Rollenbildern zu tun. Die „Rollen“ sind verschieden und variabel, nicht an einem Typ festzumachen. Man müsste dahin kommen, dass Mann und Frau etwas eher Abstraktes ist, dass es eher darum geht, sich zu überlegen: Was ist Mensch mit (überwiegend) weiblichen Eigenschaften? Und was ist Mensch mit (überwiegend) männlichen Eigenschaften? Im alten Männerbild hat ein Mann keine Gefühle zu haben oder zumindest nicht zu zeigen. Kein Wunder, dass viele Männer darin Analphabeten sind. Wirklich männlich wäre es aber, offen zu seinen Gefühlen zu stehen.
In Beziehungsfragen dürfte es auch nicht in Tarzanmanier darum gehen, ich Mann, du Frau… Sondern wie können wir unser Spannungsfeld so leben, dass sich Männliches und Weibliches die Balance hält. Und das ist durchaus ein fluktuierendes Feld. Der Mann muss nicht immer stark und die Frau nicht immer passiv sein, und ins Gegenteil zu fallen, wäre genauso ungesund. Es wird Situationen geben, wo er stark ist, Geborgenheit vermittelt, und sie sich anlehnen und geborgen fühlen kann. Und dann wird es auch Situationen geben, wo sich das umdreht, wo er in der Beziehung Halt sucht und sie diesen Halt geben kann. Da geht es nicht mehr darum, welche Rolle spiele ich, welche Rolle spielst du, sondern was brauche ich und was kann ich geben – und was je nach Situation verschieden sein kann.

Nur so ein paar Ideen zu einem unerschöpflichen Thema.