Alles Liebe

Alles ist Liebe, sagt man.
Alles ist Licht.
Doch rein ist sie nur
wo alles ist Nicht.

Doch wo etwas,
da sind auch Schatten.
Selbst ein klares Prisma
ihre Strahlen noch bricht.

Liebe zieht uns an
wie die Motten das Licht.
Vernichtet zumindest
die bisherige Sicht.

Liebe verbrennt alles,
dann bist du nicht mehr.
Nie mehr, was du warst,
und das Ego gebricht.

Liebe setzt dich über alles hinweg.
Ohne Schatten und Sengen,
nur Licht und Liebe –
in dieser Welt ist das nicht.

Tränen

Kennst du den Zustand
wo du nur da sitzt und weinst?
Nicht weil du traurig bist,
sondern so voll der Liebe.

Kennst du den Zustand,
wo du dich nach jemand so sehnst?
Nicht weil er nicht da ist,
sondern weil er dich nicht erkennt.

Kennst du den Zustand,
wo du nicht mehr weinen kannst?
Nicht weil du keinen Grund dazu hast,
sondern jede Hoffnung verbrennt.

Beschränkung oder ohne Grenzen?

Kann nicht allein
für sich bloß sein
will sich in Beziehung sehn
zusammen mit ihm nur gehen.

Doch der hat Angst vor Nähe
seine Freiheit schwinden sähe
abhängig könnt er werden
sein Ziel verfehlen hier auf Erden.

Sie stößt so oft an seine Grenzen
statt sich mit jemand zu ergänzen
der beharrt drauf, Teil zu bleiben
am Ganzen könnt sein Ego leiden.

Zuneigung will sie geben, nehmen
in Liebe ans ersehnte Ziel sie kämen
als Abhängigkeit wird’s interpretiert
ihre Liebe damit bitter negiert.

Sie legt ihr Herz ganz offen
auf Vertrauen will nur hoffen
will in neue Welten Einsicht geben
er sieht nur erstickt sein bisherig Leben.

Das Kraftfeld der Liebe könnt Flügel verleihn
er sieht diese Kraft nur von außen gedeihn
Baut Mauern auf in tiefer Nacht
Liebe hat über ihn nicht die geringste Macht.

Kein Austausch über Mauern hinweg
Vertrauen gesucht, doch es ist weg
nach Zuwendung sie sich einsam sehnt
keine Resonanz, ein Abgrund gähnt.

Könnt liebend sich mit ihm ergänzen
kennt Freiheit, die auch sie braucht, keine Grenzen
Liebe ist weit mehr als Du und Ich
bereichert beide, dich und mich.

Wie kannst du Liebe als Beschränkung sehn?
Zusammen über alle Grenzen gehen
eröffnet nie erahnte Räume
und es verblassen alle Zäune.

Liebe beschränkt nicht und wird nicht gemacht
ist einfach da, ganz sacht und mit Macht
Liebe ist Nähe, die öffnet unendliche Weiten
überbrückt Distanzen und jegliche Zeiten.

Liebe will Nähe, doch nicht Bindung
ständig neu und ohne Endung
Liebe lässt frei und dich sein, wie du bist
Liebe ist unendlich, weil sie einfach nur ist.

Du bist für mich alles, wenn ich dich liebe,
von Engelschören bis zum wildesten Triebe
ohne Grund, ohne Beweis, nur gemeinsam wandere
nur ein untrüglich Zeichen: die Welt ist eine andere.

Liebe ist paradox, sie zieht an und lässt frei
sieht alle Fehler, doch bleiben sei einerlei
wenn Vereinnahmung, Beschränkung ihn irritiert
dann hat, was Liebe ist, er einfach nicht kapiert!

Nacht und Tag

Es gibt so Tage
da hält die Welt den Atem an
wenn alles Plage
und nichts wie es sein sollte kam.

Wo Tag wird zur Nacht
in Finsternis alles versinkt
nichts zu Ende gebracht
und kein Lied mehr erklingt.

Dann wieder gibt es Tage
von der Sonne erwärmt und erhellt
vorbei war jegliche Plage
umarmt sei die ganze Welt.

Doch das sind unsere Tage
mal liegen Schatten uns schwer auf der Seele
als wär das Leben eine einzige Plage
dann wieder strahlendes Licht an jeglicher Stelle.

Und einmal wird kommen der Tag
der Tage und Nächte vereint
Licht und Dunkel nicht unterscheiden mag
an dem nichts und niemand mehr weint.

Dann wird kommen der große Morgen
der Tage und Nächte nicht mehr kennt
der beendet alle Sorgen
der Zeiten und Seelen nicht mehr trennt.

Dann bricht an der große Tag
der alle Tage und Nächte beendet
keine Dunkelheit sich zeigen mag
nur strahlendes Licht, das nicht mehr blendet.

Dieser Tag wird kommen mit Macht
kein Schatten mehr, nur gleißendes Licht
Engel halten ewige Wacht
Zeit und Raum gab es in Ewigkeit nicht.

Umdenken eröffnet Zukunft

 

„VERÄNDERUNG ERFORDERT UMDENKEN
Wenn man die Gegenwart mit den Mustern der Vergangenheit angeht, kann man keine Veränderung für die Zukunft erwarten.“
Gesehen bei DENKZEITEN/Sandra Matteotti.

 

Es ist schon eine eigene Gabe, die Dinge so auf den Punkt zu bringen. Wer das so klar schafft, ist mitten im Umdenken. Und wer das so klar sagt, fordert die anderen heraus, mit umzudenken, mitzudenken, vielleicht sogar (gemeinsam) weiterzudenken oder weiter auszufalten.

Dieses Umdenken ist die Voraussetzung dafür, dass Zukunft überhaupt passieren kann. Ohne dieses Umdenken passiert ja nur immer (kopierte) Vergangenheit. Das Denken ist sozusagen die Matrix, und das Umdenken die neue Matrix, in die hinein Zukunft passieren kann.

Allerdings: Mit dem (neuen) Denken ist die Vergangenheit nicht weg.

Sie hat nur weniger Macht. Aber das Problem ist: In einem gewissen Sinn SIND wir unsere Vergangenheit. Daran ändert auch das Umdenken nichts. Und das sollte ja auch gar nicht geändert werden. Wäre die Vergangenheit weg, wären wir in einem gewissen Sinne selbst auch weg. Was nicht der Sinn des Umdenkens ist.

Wir sind unsere Geschichte, unsere Biographie. Die soll nicht eliminiert, sondern weitergeführt werden.

Umdenken heißt, das Vergangene als Vergangenes sehen zu lernen. Ansonsten ist es Gegenwart und kopiert sich endlos weiter. Also Abstand gewinnen, loslassen – d.h. Vergangenes vergangen sein zu lassen – erst dann ist die Zukunft offen. Und erst dann ist die Gegenwart Gegenwart und nicht die Summe der Vergangenheit (was sie auch ist, aber doch auch wieder nicht nur). Erst dann kann ich Gegenwart zulassen und damit den Samen für die (neue) Zukunft legen.

Am sichtbarsten wird das – no na – an unseren Beziehungen. Immer nach demselben Muster. Ok, mit verschiedenen Variationen. Aber dieselben Typen kommen und gehen, dieselben Fehler wollen wieder und wieder gemacht werden. Und selbst wenn einem das schon bewusst wird – der/die Nächste stellt sich bereits an. Denn das Muster zu sehen ist noch nicht umdenken. Umdenken hieße darüber hinaus: anderes zu akzeptieren, offen sein für wirklich Neues. Ansonsten steht das Neue vor der Tür, und es passt nicht. Weil es nicht ins alte, gewohnte Schema passt. Weil Neues noch immer unpassend erscheint, vielleicht sogar Angst macht.

Noch eine Schwierigkeit: Ich bin durch mein Umdenken kein anderer geworden. Dieselbe Vergangenheit, dieselbe Biographie, derselbe Rucksack.

Es ist beinahe tragisch, dass wir – trotz zunehmender Hektik – das Sensorium für Zeit, für Entwicklung, für Dynamik längst verloren haben. Umdenken heißt vielleicht nichts anderes als uns selbst nicht als Standfoto, sondern als Film sehen zu lernen. Als einen Film, der erst zum Teil abgedreht ist, an dessen Drehbuch wir noch schreiben können und bei dem wir nicht nur Hauptdarsteller sind, sondern auch Regie führen können. Die bisherigen Szenen sind abgedreht, daran lässt sich nichts mehr ändern. Aber es wäre eine Zumutung für die Zuseher und Mitspieler, würden wir jetzt nur mehr die alten Szenen weiter kopieren. Da muss Neues her, da muss Spannendes her, das muss aufregend werden, das muss fesseln. Und das muss – trotz festgelegter Vergangenheit – in eine völlig offene Zukunft führen.

Das war wohl gemeint mit UMDENKEN…

Höhlengleichnis

Gefesselt an mentalen Kisten
Schatten an Weltenwänden müssten
dienen als schwarz-graue Realität
nicht wissend, welch ontologische Diät.

Erwacht zum Denken einer der ihren
entfesselt halten ihn für einen Irren
doch blickt er gegen den gewohnten Traum
wird gewahr ein gewaltiger Innenraum.

Tief erstreckt sich der Höhle Gemäuer
hinten tragen vor flackerndem Feuer
Wesen die Gegenstände hin und her
die als Schatten der Realität Gewähr.

Dann führt eine Treppe, die nicht endet
von strahlendem Licht geblendet
endlich in die Freiheit der wirklichen Welt
die alles, auch die dunkle Höhle mit erhält.

Der Blick zum Himmel hoch erhaben
Sonne, Mond und Sterne laben
ganz innig, tief und wohl gekonnt
der Seele weiten Horizont.

Während tief in der Höhle Schatten nur gefällt
erschließt sich als Ganze jetzt die Welt
Nicht Dualität, wie alle vermuten
nur eine Welt des Ganzen, Guten.

Voll Freude zurück, die Botschaft zu bringen
allen, die noch mit den Schatten ringen,
doch die, weil stets nur Schatten erblickt,
halten ihn für völlig verrückt.