Ökumene: Wann kommt die Einheit?

Band 4 der Kardinal König Bibliothek ist der Ökumene gewidmet.

Es geht um dLayout 1ie Nachwehen des 2. Vatikanischen Konzils, könnte man sagen, denn das Kind hat noch nicht wirklich gehen gelernt. Trotzdem ist einiges passiert, sogar in der heiklen Frage der Ökumene. Das 2. Vatikanum war zweifellos eine Wende im Bereich der Ökumene und Kardinal Franz König spielte eine entscheidende Rolle, so dass er als „Wegbereiter der Ökumene“ bezeichnet wurde.

Mit der von ihm gegründeten Stiftung Pro Oriente schuf er ein Instrumentarium, mit dem er das Thema in Eigenverantwortung vorantreiben konnte und vertrauensbildende Kontakte zu den Ostkirchen knüpfte: „Ich fühlte mich freier, solche Ziele in Wien zu verfolgen, wo ich die alleinige Verantwortung trug und weder von der vatikanischen Bürokratie behindert werden konnte noch eine Belastung für Rom war.“

Papst Johannes XXIII. hatte Kardinal König in einer Privataudienz erzählt, dass ihm die Idee zum Konzil während der Weltgebetsoktav für die Einheit der Christen gekommen war. Das Konzil zeigte dann erstmalig den universalen (katholischen!) und globalen Charakter der Kirche mit einem multikulturellen Bild.

Dietmar W. Winkler zeichnet in seinem Buch „Wann kommt die Einheit? Ökumene als Programm und Herausforderung“ die Geschichte der Ökumene nach, ausgehend von den Jugendbewegungen im 19. Jahrhundert, insbesondere des 1895 gegründeten „Christlichen Studentenweltbundes“ bis zum 1948 gegründeten Ökumenischen Rat der Kirchen, der ohne die Katholische Kirche auskommen musste. Papst Johannes XXIII. verfügte 1960 auf Betreiben Kardinal Beas die Einrichtung eines Sekretariats für die Einheit der Christen, dem heutigen Päpstlichen Rat zur Förderung der Einheit der Christen. Viele Konzilsdokumente sind denn auch vom ökumenischen Gedanken geprägt.

Kardinal König hatte Karl Rahner als seinen theologischen Berater zum Konzil mitgenommen, obwohl der Jesuit von manchen als Gefahr für die Kirche abgestempelt war. Als Nachfolger von Papst Johannes XXIII. wurde Paul VI. gewählt, obwohl der im Konzil eher zurückhaltend agiert hatte, es aber an seinen wenigen Wortmeldungen allen klar war, dass er zu den Reformern gehörte. Ohne diese Nachfolge und Perspektive wäre das Konzil wohl gescheitert.

Als sich während des Konzils hitzige Debatten um die sogenannte „Judenerklärung“ entwickelten, war es Kardinal König, der klarstellte, dass die Erklärung über das Verhältnis der Kirche zum Judentum auf Widerstand stoße und diese nur gerettet werden könne, wenn sie in einen größeren Kontext aller nicht-christlichen Religionen gestellt werde. So kam es zu „Nostra aetate“.

Notwendiger Hintergrund für den ökumenischen Gedanken war die Aufgabe der Sicht einer statischen Kirche und perfekten Gesellschaft. Die Kirche wurde am Konzil zur Bewegung, zum pilgernden Volk Gottes, zum Zeichen der Einheit – nicht nur der Konfessionen, sondern der gesamten Menschheit. An der Wiederentdeckung der Synodalität und Kollegialität der Kirche – gegen einen Papstzentrismus – waren ebenfalls Kardinal König und sein Berater Karl Rahner maßgeblich beteiligt.
Den Kontakten Kardinal Königs ist es auch zu verdanken, dass z.B. klar wurde, dass die mit Rom vereinten orientalischen Christen Teil der katholischen, aber nicht der lateinischen Kirche sind. Damit wurde deutlich, dass die Einheit der Kirche nicht in einer Uniformität bestehen kann und dass die Verschiedenheit der Traditionen zur besseren Verwirklichung der Katholizität (= Universalität) beitragen kann.

Natürlich gab und gibt es Rückschläge und Stagnationen, sowohl im Hinblick auf das Konzil wie auch die Ökumene. Es wäre heute sinnvoll, sich wieder auf die Worte Kardinal Königs zu besinnen: „Heute ist es entscheidend, das gemeinsame Erbe der Vergangenheit höher zu schätzen als das Trennende…“

Dietmar W. Winkler: „Wann kommt die Einheit? Ökumene als Programm und Herausforderung“, Kardinal König Bibliothek, Band 4. Hrsg. v. Helmut Krätzl, Annemarie Fenzl, Walter Kirchschläger. Verlag Styria premium 2014. ISBN 978-3-222-13386-2. EUR 16,99

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