Das “Trotzdem” der Teresa von Avila

Cover_Theresia300dpiPater Antonio Sagardoy hat ein Buch über die HL. Theresa von Avila geschrieben, deren 500. Geburtstag 2015 zu feiern ist. Aber man fühlt, es ist nicht dieser Anlass, der den Autor veranlasste, das Buch zu schreiben, sondern das Schlüsselwort ist jenes „Trotzdem“ im Untertitel.

Sie ist Teil der Kirche geblieben, obwohl ihr so oft ein kalter Wind entgegen geschlagen ist. Die Kirche war ziemlich heruntergekommen, es war die Zeit, die auch Martin Luther zu seiner Kritik veranlasst, und der ganz anders reagiert hat. Es war die Zeit der Inquisition, in der es oft genügte, denunziert zu werden. Und Intrigen gab es genug, in und außerhalb der Klöster. Es war die Zeit, in der man das Wort des Paulus, die Frauen hätten in der Kirche zu schweigen, als Gebot hinnahm. (Heute wissen wir, dass diese Stelle nicht von Paulus stammt, der sogar die Leitung der römischen Gemeinde einer Frau anvertraute). Es war die Zeit der Zwangskonvertierung von Juden, und Teresas Großvater war ein solcher Konvertit. Es war verboten, Bücher in der Muttersprache zu lesen. Frauen mussten den Rosenkranz beten, das innere Gebet, die Meditation war ihnen untersagt. Frauen, die sich nicht daran hielten, waren der Verachtung und dem Spott mächtiger Kirchenmänner ausgesetzt. Aber so wie keine Zeit einheitlich ist, gab es auch z.B. einen hl. Fray Pedro de Alcántara, der bestätigte, dass es viel mehr Frauen als Männer gibt, die mystisch begnadet sind und Frauen auf diesem mystischen Weg viel besser vorankämen als die Männer.

Es gehört zu Teresas Erfahrungen, dass Gott die Menschen anders sieht als die Herren der Kirche. Sie erlebt die Grenzen des Menschseins, die Grenzen ihrer Zeit und die Grenzen der Kirche. Sie ist trotz Schwäche und Krankheit eine der großen starken Frauen des Mittelalters, von deren es einige gab. Sie erlebt die Inquisition als ständige Bedrohung, sie erlebt die Kirchenspaltung in Europa und die nicht allzu ruhmreiche Eroberung Südamerikas, wohin ihre Brüder ausgewandert sind. Sie korrespondiert mit Bischöfen, Professoren, Theologen und mit König Philip II. und dem Papst. Sie schreibt Bücher über Gebet und Mystik, und sie gründet eine Reihe von Klöstern, auch Männerklöster. Und sie wird 1970 als erste Frau zur Kirchenlehrerin ernannt.

Pater Antonio streut immer wieder erfrischende Erkenntnisse ein: „Frisch Konvertierte neigen aber unter Umständen zu Übertreibungen.“ „Ein Leben aus dem Glauben ist nicht der Weg, der Verantwortung auszuweichen und die Aufgaben im Leben zu vernachlässigen.“ „Im Leben Jesu begann der Verrat im eigenen Kreis:“ „Denn zu viel des Guten, zu viel Abtötung, zu viel Armut kann ein Weg zu einer einseitigen Entwicklung sein, die sowohl zu Leistungsreligiosität als auch zur Verachtung der menschlichen Grundbedürfnisse führen kann.“ „Sie (religiöse Menschen) haben bei der Verwirklichung ihres Glaubenslebens keine Probleme mit Gott, wohl aber mit seinem Bodenpersonal.“ „…hierarchische Strukturen neigen unter Umständen dazu, Gott vorzuschreiben, was er wollen darf, damit seine Wünsche unseren entsprechen.“ „Gehorsam hängt damit zusammen, auf Gott zu hören – was unter Umständen Konflikte mit der Kirchenführung bedeuten kann.“

Theresa ist das Objekt von Machtspielen und Verleumdungen. Die Welt steht in Flammen, die Kirche macht Zeiten der Dekadenz durch. Teresa leidet an den Missständen der Kirche. Ihre Antwort: Was kann ich tun, um der Kirche zu dienen? Und das, trotzdem sie viele negative Erfahrungen mit dieser Kirche gemacht hat. Erneuerung kann immer nur von innen kommen.

Das Verbot der Meditation für Frauen bekämpft sie, distanziert sich von Theologen, die solches behaupten und stellt sich gegen die allgemeine Meinung. Teresa stärkt die ihr anvertrauten darin, ihren eigenen Weg zu gehen: „Legt bei solchen Dingen niemals Gewicht auf die allgemeine Meinung! Bedenkt, dass wir nicht in einer Zeit leben, in der ihr allen glauben könnt, sondern nur denen, die ihr dem Leben Christi entsprechend leben seht.“ „Lasst euch von niemandem täuschen, der euch einen anderen Weg zeigt.“

Das Buch zeigt, dass selbst in einer Zeit, in der die Frau nichts zählt und nichts darf, es charismatische Frauen gab, die selbst in diesen Beschränkungen noch einen Weg fanden, einen starken emanzipatorischen Beitrag zu leisten. Teresa stellt sich gegen die Missstände der Kirche, spricht diese aus, wird verfolgt und denunziert, und versucht dennoch immer einen Weg aus diesen Missständen heraus zu finden. Vielleicht eine Anregung für unsere kritiksüchtige Zeit, dass man nicht durch Kritik die Kirche oder die Welt verändern kann, sondern nur dadurch, dass man etwas tut.

P. Antonio Sagardoy
Teresa von Avila. Trotzdem liebe ich die Kirche
Verlag Styria premium 2014
ISBN 978-3-222-13464-7
EUR 14,99

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