Über-Leben

Licht-ung im offenen Gelände
Sackgassen in die Unendlichkeit
nichts ist je zu Ende
wandelt Wärme jede Bitterkeit

Verzweiflungsschreie münden in Lebensgesang
Brücken entstehen im Weitergehen
aus Stille entsteht ein neuer, lebendiger Klang
und Sanddünen an Oasen verwehen

Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne
jeder Augenblick gerinnt zur Ewigkeit
dass stets Neues ich gewinne
in den Ahn-Gassen der Seligkeit

Gesegnet behalte ich meine Bilder
Verweile nicht an trockenen Rastplätzen
singe weiter meine polyphonen Lieder
verweigere mich menschlichen Gesetzen

Hinter der Wand waltet ein unsichtbar Größeres, Unnennbares
im rastlosen Dahintreiben hält mich dein Atem am Leben
in allen Nebeln scheint immer durch etwas Wahres:
Überleben kann man nur durch Über-Lieben

Heimat

Heimat
offenes Gelände
Seelenwelten
ohne Ende
Samenkörner unterm Schnee
rieselnd Wasser
auf allen Wegen
Hoffnung
Neubeginn
Ankommen
Segen
durch Leiden
Zagen
Warten
Regen
Lebens-Gesang
trotzt rauem Sturm
bis Gewitter sich legen
und Stille im Turm

Bilder

Zeigt sich offenes Gelände,
Warten auf des Schicksals Band,
oder fahre ich an der Sackgasse Ende
doch wieder gegen die Wand?

Hätten wir mehr vom Anfang gehabt,
wüssten vielleicht, wie‘s weitergeht,
hätt‘ mich an deinem Antlitz gelabt,
doch Wüstensand ist schnell verweht.

Statt Frühlingsknospen aus Schneeboden sprießen
und Wasser rieselt auf allen Wegen,
Herbststürme entwurzeln der Bäume Riesen.
Chaos waltet ohne deinen Segen.

Ein Schrei verhallt im rauen Sturm,
Laub erzittert auf trocknenden Bäumen,
winde mich wie ein gequälter Wurm.
Muss Trauer meine Wege säumen?

Möchte dein Bild nicht verblassen seh‘n
kämpfe meine Fantasien nieder,
Will noch nicht vor dem Abgrund steh’n.
Die Bilder kommen immer wieder.

Geborgenheit und Wachstum

Angeregt durch einen grandiosen Vortrag von Gerald Hüther:

Als Einleitung meinte er, „… dass das Zeitalter der Aufklärung nun doch etwas kleinlauter zu Ende geht, als es mal angefangen hat. Wir haben mit unseren wissenschaftlichen Erkenntnissen zwar das zu eng gewordene mittelalterliche Weltbild erfolgreich gesprengt, aber die Hoffnung, dass der Mensch nun durch den Einsatz von Wissenschaft und Technik in der Lage sei, Kummer, Not und Elend zu überwinden, Krankheiten zu besiegen und eine friedliche Welt mit blühenden Landschaften zu gestalten, die hat sich nicht erfüllt!“
Das Grundthema war dann, dass wir in den ersten neun Monaten unseres noch nicht Geboren Seins zwei Erfahrungen machen: 1. Geborgenheit, 2. Wachstum. Und im Licht der Welt ist es dann so schwierig, diese beiden wieder zu finden oder unter einen Hut zu bringen.

Zur Einleitung:
Jetzt wäre es an der Zeit, das zu eng gewordene reduktionistisch-rationale Weltbild zu sprengen (die Physik hat das vor 100 Jahren schon gemacht). Die Aufklärung hat ja – wie alles in der Welt – (mindestens) zwei Seiten: Sie war ein großartiger Erfolg, weil sie viel Unsinniges hinweggeschwemmt und ein Tor für die Wissenschaft geöffnet hat. Sie war aber auch ein großer Rückschritt, weil sie das Weltbild total verengt und das Ganze aus dem Blick verloren hat. So ist es mit unserem „modernen“ Weltbild – das noch dazu Ende des 19. Jahrhunderts steckengeblieben ist – vergeblich, über Inhalte zu diskutieren, wenn nicht zuerst dieser Denkrahmen infrage gestellt und überwunden wird.

Zum Grundthema:
1. Im Mutterleib erfuhren wir Geborgenheit. Wir haben sie erfahren, ohne das Ganze, in dem wir geborgen waren, rational zu kennen. Genauso wenig kennen wir das Ganze, die „Welt“, das „Universum“, Gott (auch ein Name für das Ganze, das wir nicht kennen), und sobald wir es leugnen, ist die Geborgenheit weg. Alle Realität (von res = Ding, also die „objektive“ Welt, aber Objektivität gibt es nicht, das wissen wir vom Konstruktivismus wie auch aus der Quantentheorie) wird dann zur Ersatzhandlung oder Ersatzbefriedigung. Hüther: „Wenn man das nicht bekommt, was man braucht, nimmt man sich das, was man haben kann, oder was einem irgendwo angeboten wird.“
Wir könnten sie finden bei einem anderen Menschen. Auch da ist das Ganze mehr die Summe der Teile, mehr als Ich und Du, etwas „dazwischen“, das nicht machbar ist, sondern das da ist oder nicht. Dieses „Dazwischen“ ist Beziehung, die findet man nicht durch Suchen, sondern durch Offenheit.
Wir könnten diese Geborgenheit auch finden durch einen Glauben (religiös, nicht religiös, deistisch, nicht deistisch, auch atheistisch), aber das ist schwieriger, weil diese Geborgenheit, dieses Grundvertrauen in so weite Ferne gerückt ist. So hilft heute nur eine radikale Offenheit für das was kommen kann, auch wenn man nicht mehr etwas Bestimmtes sucht. Einzige Bedingung wäre dieses Suchen als bloße Offenheit. Denn wer etwas Bestimmtes sucht, kann bestenfalls nur dieses Bestimmte finden. Es geht aber ums Ganze.

2. Im Mutterleib erfuhren wir Wachstum. Das setzt sich fort, körperlich über die Pubertät hinaus. Dann ist das physische Wachstum beendet. Das Hirnwachstum (Vernetzung) könnte sich bis ans Lebensende fortsetzen, was aber heute kaum in Anspruch genommen wird. An das körperliche müsste sich das seelische und geistige Wachstum anschließen, aber das ist heute zur Fremdsprache geworden. Wir übertreiben die körperliche Fitness und Hygiene, an eine seelische denken wir gar nicht, von einer geistigen gar nicht zu reden. Damit ist aber das wesentliche Menschsein infrage gestellt.

„Wenn man das nicht bekommt, was man braucht, nimmt man sich das, was man haben kann.“ So verwechseln wir Geborgenheit mit sexuellem Erleben, aber als bloß körperliche Betätigung und nicht als Erleben einer körperlich-seelisch-geistigen Einheit, die wirklich ein „Vorgeschmack des Himmels“ (aus einer Predigt über Sexualität im Wiener Stephansdom) sein könnte. Und so verwechseln wir Wachstum mit Wirtschaftswachstum, Expansion, Fortschritt – aber alles nur im Außen. Dieses Wachstum im Außen fällt dann auf uns zurück und erdrückt uns.

Schlüsselwort Gerald Hüther‘s ist die Begeisterung. Be-geist-erung ist ein Zustand – bei Kindern ein natürlicher Zustand – in dem Ich und Welt verschwinden im bloßen Tun. Wo es nur Beziehung gibt, kein Ich, kein Du, keine Welt. Diese Begeisterung löst im Hirn gewisse Botenstoffe aus, die nicht nur zu Wohlgefühl, sondern auch zum Hirnwachstum führen. Diese Begeisterungsfähigkeit wird einem Kind sehr bald – spätestens in der Schule – ausgetrieben. Damit wird ihm aber auch die Wachstumsfähigkeit (physisch, seelisch, geistig) genommen. Deshalb leben wir in einer wachstumsgestörten Gesellschaft – trotz Wirtschafts- und sonstigem Wachstum.
Dieser Zustand der Begeisterung ist auch der ursprünglichen Erfahrung der Geborgenheit ähnlich. In diesem Zustand sind wir ganz oder heil (was dasselbe bedeutet), ohne dass dazu ein „Wissen“ um die Ganzheit – das es nicht geben kann – notwendig wäre.
Notwendig wäre ein Umdenken auf allen Linien. Und das wäre, so Hüther, auch in allen Altersstufen möglich, aber nur mit Begeisterung für etwas Neues.

Poesie

Lese ich wieder,
was früher ich schrieb,
erstaunliche Lieder
was immer mich trieb.

Wohl sind sie vertraut,
doch noch vielmehr fremd,
auf eine Basis gebaut,
die niemand mehr kennt.

Ich bin es wieder,
und doch bin ich‘s nicht,
der all diese Lieder
aus Mondferne bricht.

Hatte Zugang zu Sphären,
überirdisch gleich,
die Dinge hier klären,
im begrenzten Bereich.

Sind Dinge nur wirklich,
im steinernen Tal,
alles wäre nichtig,
eine einzige Qual.

Erheb ich mich wie Ikarus
über Berge in luftige Höh‘n,
unendliche Weite mit innigem Kuss
sofern nicht im Licht ich verbrenn.

Ewigkeit

Ewigkeit hat nichts zu tun
mit Anfang oder Ende,
mit anfanglos oder endlos.
Das Universum ist riesig,
vielleicht endlich, vielleicht unendlich,
aber doch nur ein winziger Ausschnitt
der Wirklichkeit.

Ob das Universum endlich oder unendlich,
ist eine Frage der Dimensionen,
nicht der Ewigkeit –
die wird man im All nicht finden.

Ewigkeit ist auch nicht unendliche Zeit,
hat nichts zu tun mit ihrem Fließen,
steht außerhalb, oder innerhalb,
ist Zeitlosigkeit.

Ewigkeit lässt sich nicht analysieren,
lässt sich nur erleben,
indem man der Zeit entkommt.
Das kann man schwer alleine.
Aber gibt es ein Du,
das ich so stark empfinde,
dass das Dazwischen, die Gravitation
das Ich und Du auflöst,
und es bleibt nur die Intensität,
die Intensität des Augenblicks.

In dieser Apokalypse verschwindet alles,
Ich, Du, Raum, Welt, Zeit…
Was bleibt, ist Beziehung, ist Intensität,
im Augenblick erlebt,
ist Ewigkeit.

Eine Karikatur zur Pressefreiheit

Wir haben die Demokratie, weil wir keine Kaiser und Tyrannen wollen. Also haben wir Erwin Pröll. Wir wollen uns buchstäblich nichts vorschreiben lassen, also haben wir unsere Medien und deren Pressefreiheit.

Wir haben die Monarchie abgeschafft, weil die Monarchen erfahrungsgemäß dazu neigen, sich zu Tyrannen entwickeln. Wenn es keine Monarchen mehr gibt, können sie keine Dummheiten machen. Eine einfache und logische Rechnung.

Den Titel zu vererben, um den Kampf um die Macht zu unterbinden, war auch keine gute Lösung, weil Inzucht eher nicht qualitätsfördernd wirkt. So bleiben uns noch die Museumsmonarchen, aber die sind harmlos, die kosten nur unendlich viel Geld. Aber Geld wird ja auch für Schlimmeres ausgegeben. Siehe Rüstungsindustrie, die wir brauchen, um die Demokratien zu schützen. Die wurde in den USA längst säkularisiert, damit dort sogar Kleinkinder ihre Geschwister oder Eltern abknallen können. Freiheit geht den Amerikanern über alles.

Uns geht die Pressefreiheit über alles. Und auch da geht es vorerst um Macht – und leider auch schon mal um Tote. Die Medien sind die vierte Macht im Staat, sie sind aber eigentlich die erste Macht. Jeder Tyrann weiß, dass er zuerst die Medien ausschalten oder verstaatlichen muss – was auf dasselbe herauskommt – wenn er sein geliebtes Amt ausüben will. Heute werden sie zunehmend nervös, weil sich das Internet nicht so leicht ausschalten lässt.

Aber auch die Medienmacht wird missbraucht. Man nennt das Pressefreiheit. Der Boulevard, die Yellowpresse tragen mehr zur Volksverdummung bei als das Bildungssystem je aufbauen kann. Die Krone hat in jahrzehntelanger Gehirnwäsche den politischen Geisteszustand geschaffen, den wir heute in Österreich haben. Jetzt sogar mit Unterstützung diverser Gratisblätter. Pressefreiheit ist heute nicht das Recht der Meinungsäußerung – wer hat denn schon eine Meinung? – sondern das Recht, Dummheiten zu verbreiten. Die Monarchen haben wir abgeschafft, die Medien haben Pressefreiheit. Und gegen die sind wir alle machtlos.

Dabei sollten die Medien auch das Recht haben, Vernünftiges zu verbreiten. Ok, das haben sie, wenn auch nicht verbrieft. Das mag ein juristisches Problem sein, aber von diesem Recht machen ohnehin die wenigsten Gebrauch. Bringt keine Kohle, und von etwas müssen auch Verleger und Journalisten leben. Wenn auch die Journalisten von immer weniger.

Es ist ein tragischer Anlass, und ich verurteile das Massaker in Paris auf das schärfste. Und wenn Pressefreiheit das Recht auf die Verbreitung von Dummheiten ist – und dieses Recht ist in einer Demokratie selbstverständlich zu schützen – dann war es tatsächlich ein Angriff auf die Pressefreiheit. In Europa hat eben jeder das Recht, dumme Karikaturen über Jesus oder Mohammed oder wen auch immer zu verbreiten, um damit Kohle zu machen. Ob das so wichtig ist, bleibt dahingestellt.

Und das zeichnet den Demokraten aus, dass er in diesem Fall ganz entspannt sagt: Leckt‘s mich am Arsch! Dass Fundamentalisten das anders sehen, ist aber irgendwie vorhersehbar. Wenn ich mit einer Israelflagge auf eine Naziversammlung gehe oder auf eine Demonstration der PEGIDA, dann ist die Reaktion ebenfalls vorhersehbar. Auch diese Freiheit kann mir natürlich niemand nehmen – aber ich muss es nicht tun. Und besonders wichtig ist es auch nicht.

Karikaturen sind großartig, und es gibt hinreißende Karikaturisten. Aber wie das Leben so spielt, ist auch hier mit dummen Karikaturen mehr Kohle zu machen als mit vernünftigen. Anscheinend sogar mehr als mit dummen Artikeln.

Warum wir unter Pressefreiheit immer das Recht auf Dummheit verteidigen, die Medien aber von ihrem Recht auf Vernünftiges kaum Gebrauch machen, das soll erst jemand verstehen.

Jetzt wird man wieder diskutieren. Was dabei besonders tragisch ist: Ich habe die Wochen nach 9/11 als die Sternstunde des Journalismus erlebt. Das war ein Thema von einer Dimension, die für Wochen reichte. Aber da man nicht wochenlang immer wieder die „Tatsachen“ beschreiben kann, waren die Medien gezwungen, das zu tun, was sie eigentlich immer tun sollten: Sie lieferten Kommentare, Diskussionen, Hintergrundinformationen, Historisches usw. Nur, nach ein paar Wochen fiel auch das wieder in sich zusammen.

Jetzt wird man wieder diskutieren. Es wird nicht so lange Zeit brauchen wie bei 9/11, und dann wird es wieder still werden.