Verstehen

Wer verstehen will,
will verstanden werden,
ein hehres Ziel
auf zwiespältig Erden.

Je mehr man versteht,
desto weniger verstanden;
wenn Zeit vergeht
über allen Landen.

Bis man endlich versteht
und muss eingestehen:
im Sande verweht
ist alles Verstehen.

Schauen zwar Welten gebiert,
die Räume umhüllen,
doch diese verliert
mit Leben zu erfüllen.

So muss denn Verstehen
alle Standpunkte lassen,
in endlose Weiten gehen
alle Welten so belassen.

Bei einem Menschen bleiben.
Alle Welten und Weiten
blindlings einverleiben.
Im Augenblick sind alle Zeiten.

Vertrauen statt verstehen,
erfühlen statt begreifen.
Auf endlosen Wegen
unter Dornen reifen.

Zufriedenheit wächst aus Überdruss.
Wie das Samenkorn in der Erde stirbt,
und süßer Wein gekeltert werden muss.
Neues entsteht, wenn Altes verdirbt.

Das Verstehen ist nicht mehr Töpfer,
schmiegt sich an gewordene Formen,
fragt nicht nach dem Schöpfer.
Liebt ohne jegliche Normen.

Alles zerrinnt
und nichts mehr blendet.
Verstehen beginnt
wo Verstehen endet…

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Wenn Worte fehlen

Wenn Worte sich um dein Herz krallen
und jede Antwort unmöglich wird
hörst du einfach auf zu lallen
jedes weitere Wort krepiert

Wenn du verstehst, was war gemeint
doch unmöglich, es in Worte zu fassen
du meinst, es hätte euch geeint
doch musst du alles stehen lassen

Ich glaube, dich zu verstehen
und weine doch vor mich hin
als würden wilde Krähen
vernichten, was ich bin

Versunken im tiefsten Nicht
vergeblich einen Ausweg sucht
schlägt der Brandung Gischt
an nicht vorhandene Bucht

Versagen alle Brücken
Kein Horizont ist mehr in Sicht
geh nicht mal mehr auf Krücken
Wenn jeder Weg zusammen bricht

Doch geh über zerbrochene Brücken
auch wenn kein Ziel in Sicht
stelle mich allen Tücken
wandere ziellos ins Nicht

Die vielen, die ich bin

Mal Sonne, mal Gewitter,
mal Freude und Glitter,
dann wieder Wut,
entfachte Glut
und Resignation.

Wieder leuchtet Zukunft sonnenklar,
als wäre nicht, was einmal war,
dann wieder hoffnungslos
und unergründlich bodenlos –
alles ein Schauplatz nur.

Könnt umarmen die ganze Welt,
als ob nur die Liebe gelt,
und könnt einen Unliebsamen morden,
wie im hohen, kalten Norden.
Und doch bin alles Ich.

Und noch viel mehr, denn zwischen Gegensätzen
ist so vieles, das entflieht Gesetzen.
Immer ein Anlass von weit draußen
mir zeigen will, es ist nicht außen –
wirft ewig mich zurück auf mich.

Wie kann ich sagen, die Welt sei schlecht?
Ich wüsste schon, wie es wär recht.
Wenn die Welt bloß ein Spiegel
für mein innerstes Siegel.
All das bin doch nur Ich.

Doch wozu dieses Lieben und Morden,
das verbindet und trennt Süd und Norden?
Ist die Welt unsere Illusion?
Das Ich ist eine solche schon?
Zerbrochenes misst an Zersplittertem sich.

Nun kämpfen Teile mit and‘ren Fragmenten,
immer auf der Suche nach geeinten Momenten.
Doch ist‘s unser fragmentierendes Denken
das nie zum Ganzen kann uns lenken.
Zerrissen schweb über dem Abgrund ich.

Könnt alle Grenzen verschwinden lassen
und so beenden alles Morden und Hassen?
Nicht schwarz oder weiß – ein Spektrum ists,
transzendentes Fühlen – nicht Buddhist oder Christ.
Aus Widersachern mache Menschen ich.

Doch fänd‘ nicht alle Sonnen und Gräuel innen,
wie könnt ich dieses eine Netz nur spinnen?
Dann die Widersprüche auszuhalten,
nicht wegzuschieben ganz verhalten.
Liebe setzt sich über Abgründe hinweg.

Doch Abgründe setzen zwei Klippen voraus
die die Liebe belässt von Haus zu Haus,
nicht leugnet, nicht verdrängt, nicht verschweigt
und damit keine Realität vergeigt.
Doch Brücken baut und alles verbindet.