In besten Händen – Menschen in Pflegeberufen erzählen

Ein Buch, in dem 42 Menschen aus Pflegeberufen persönliche Erfahrungen mit Patienten erzählen: schöne, lustige, freudvolle, bewegende, leidvolle, traurige, tragische, entsetzliche – aber immer menschliche Begegnungen.

Entstanden ist Cover_Pflegeberufedas Buch aus einem Schreibwettbewerb heraus. Heilung hat nicht nur mit Medizinischem zu tun, sondern sehr viel mit Begegnung, Einfühlungsvermögen, Empathie und Lebenserfahrung. So ist „jeder Tag in der Pflege ein Kampf. Gegen mich selber, gegen diese unprofessionellen Empfindungen und gegen das System“. Vieles entspricht absolut nicht der Theorie: „Ich versuche, die nächsten Schritte zu planen. Geht nicht. Die Gedanken sind nicht einmal zu Ende gedacht – und schon aufgeführt.“

Und manches entspricht nicht den Erwartungen: „Sie ist nur eine von vielen. Wir müssen damit umgehen lernen, dass sie nicht geliebt werden wollen, aber respektiert. Und sie lehrt uns durch ihre letzte Rebellion, wie wenig wir doch von uns selber auf die Menschen schließen dürfen, mit denen wir die Heime füllen.“ Das Gefühl zu vermitteln, angenommen zu werden, vielleicht sogar geliebt zu werden in tiefer Verletzlichkeit, Schwäche und Krankheit.

Es ist immer auch eine Auseinandersetzung mit sich selbst, Gedanken „über unsere Unfähigkeit, rechtzeitig Grenzen zu setzen, und über die irrige Meinung, nur dann wirklich ‚gut‘ zu sein, wenn wir es auch sicher allen jederzeit – dabei unser eigenes Befinden ignorierend – recht machen“.

Manches regt zum Schmunzeln an, etwa wenn ein älterer Herr völlig unbeweglich in seinem Bett liegt und nicht einmal zum Essen aufgesetzt werden kann. Der aber, als ein junger, mit Drogen vollgedröhnter Mann sich in der Nacht eine Zigarette anzünden will und dabei den Polster in Brand steckt, die Feuerwehr schon verständigt ist, wie ein aufgescheuchtes Reh behände aufspringt und auf den Gang hetzt. Am nächsten Tag steht der der Unbewegliche frisch rasiert mit Anzug und Krawatte vor der Tür des Schwesterzimmers, um sich freundlich zu verabschieden.

Oder wenn einer Frau nach Schlaganfall nichts mehr an Fähigkeiten geblieben ist als ein strahlendes Lächeln, mit dem sie alle beschenkt. Wir erleben Menschen, die ganz unglaubliche Fortschritte machen und sich ins Leben zurückkämpfen, und andere, die nur mehr in den Tod hinein begleitet werden können. Manchmal kann mit vereinten Kräften noch ein letzter Wunsch erfüllt werden.

Es wird klar, wie wichtig es ist, dass Patienten im Rahmen eines vertraulichen Gesprächs über ihre Sorgen und Nöte, ihre Wünsche und Bedürfnisse sprechen dürfen.
Dann wieder die wunderbare Wandlung eines unausstehlichen Patienten, der nur herumschreit und kommandiert – bis die Pflegerin über seine Bücher mit ihm ins Gespräch kommt und er wie verwandelt ist. Vom Unleidlichen zum Freundlichen wird.
Eine demente Frau, die gebadet werden soll, erstarrt in Angst, weil sie die Hektik spürt, die in einem Spital kaum zu verbergen ist. „Das war der Augenblick, in dem ich mich vor mir selber schämte. Nun gab ich mir allergrößte Mühe, Frau X ein Wohlfühlbad zu bieten. Danach sagt die Frau: „Das ist seit langem mein schönster Tag!“ Auch wenn es schwierig bis unmöglich ist, demente Menschen brauchen nicht noch mehr Unruhe, sondern Menschlichkeit und Empathie.

Oder eine alte Dame, die, während alle anderen Besuch hatten, allein in ihrem Bett lag. Da setzt sich ein Pflegehelfer zu ihr, hört ihr zwei Stunden lang zu, stellt nur ein paar kurze Fragen. Sie schreibt ihm auch nach ihrer Entlassung regelmäßig, wobei sie diese zwei Stunden als „die schönsten Weihnachten meines Lebens“ bezeichnet.

Christine Dobretsberger (Hg.)
In besten Händen
Menschen in Pflegeberufen erzählen
Molden Verlag / Verlagsgruppe Styria 2015, Hardcover mit SU
ISBN 978-3-85485-338-1
EUR 22,99

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