„Lach-Yoga“, „Hot-Yoga“ und andere Irrlichter

Wenn noch so viele Eigenkreationen als Yoga verkauft werden – mit Yoga hat das nicht das Geringste zu tun.

Leider ist es üblich geworden, nach ein paar Wochenendseminaren einen eigenen „Yoga“ zu kreieren und mehr oder weniger teuer zu verkaufen. Soll sein. Es gibt genügend Abnehmer und anscheinend einen Markt dafür. Nur beweisen die Proponenten damit, dass sie nichts verstanden haben. Aber darum geht’s ihnen wohl auch gar nicht.

„Lach-Yoga“ ist so eine Kreation. Lachen ist ja gesund, zweifellos, wird niemand bestreiten. Aber Yoga? Es gibt Übungen, die beginnen ziemlich künstlich, um nicht zu sagen lächerlich, um am Ende eines solchen Seminars oder einer CD dann lachen zu können. Ich frag mich dabei, wer ist die Zielgruppe für sowas? Menschen, die nicht lachen können oder das Lachen verlernt haben? Das grenzt aber schon an Depression, und da wäre dann eher eine Psychotherapie nahezulegen. Wer lachen will, soll mit jemandem lachen, und zwar spontan. Das geht normalerweise ohne Seminar und ohne CD. Sich allein oder in Gruppe hinzusetzen, um durch künstliche Übungen irgendwann lachen zu können, ist nicht Lach-Yoga, sondern Lach-Onanie. Auch wenn angeblich Glücklich Sein das Ziel des Yoga ist, so ist das Anstreben von Glücklich Sein eine Ego-Geschichte. Da ist nicht der Weg das Ziel, sondern es wird der Weg mit dem Ziel verwechselt. Selbst wenn der „Erleuchtete“ glücklich ist, hat er es nicht so angestrebt, sondern dieses Streben längst aufgegeben.

Yoga ist ein geistiger Weg, das gilt auch für den Hatha-Yoga. Was so im Westen unter Hatha-Yoga läuft, ist bestenfalls Gymnastik, manchmal bewundernswerte Akrobatik, die – wenn man sich die auf YouTube kursierenden Videos ansieht – bis zur Zirkusreife perfektioniert werden. Das ist vielleicht sogar gesund, aber mit Yoga hat das auch noch nichts zu tun, wenn es nur als Akrobatik betrieben wird.

Nicht zu vergessen ist, dass es in Asien nicht diesen Individualismus gibt, dem wir im Westen frönen. Niemand macht Yoga für sich, niemand ist eine isolierte Insel, auch wenn es durch die westliche Brille so aussieht. Jeder Yogi wird angesichts dieser isolierten Lach-Akrobatik herzhaft lachen.

Oder „Hot-Yoga“, üben bei erhöhter Raumtemperatur und ebensolcher Luftfeuchtigkeit. Auch irgendwie missverstanden. In Tibet gibt es Prüfungen, bei denen die Schüler nackt im Schnee stehen und ein nasses Tuch auf der Haut trockenen müssen. Da kommt die Temperatur von innen. Die Raumtemperatur wird leider nicht zur Erleuchtung führen, und wenn man noch so viel dafür bezahlt. Es geht ja noch, wenn als Ziel bloß Gesundheit angegeben wird, aber damit entlarvt sich das als „indisch“ verkaufte System als dem Westen angepasste Gymnastik.

Schön auch, wenn auf Wellness-Prospekten Interessierte gleich von Anfang an als Yoginis und Yogis angesprochen werden. Das ist ungefähr so höflich, als würden Erstklassler in der Volksschule als Professoren oder Nobelpreisträger angesprochen.

Es gibt sogar – natürlich aus den USA – Antigravity® Yoga (geschützte Marke!) oder auch Anti-Schwerkraft-Yoga, der verbindet Yoga mit Luftakrobatik, Gymnastik, Tanz und Pilates. Schülerinnen und Schüler lassen nicht nur die Seele baumeln (was auch noch nichts mit Yoga zu tun hätte), sondern hängen an einem elastischen Trapeztuch von der Decke. Vielleicht sollte man das auf Fledermaus-Yoga umbenennen. Bei diesen Nachttieren ist die Erleuchtung auch nicht so wahrscheinlich.

Oft werden Versatzstücke aus verschiedenen Yoga-Arten bloß neu gemixt, um dem Kind einen neuen – und vor allem eigenen und wenn möglich geschützten – Namen zu geben. Kein Inder käme auf eine solche Idee, außer er will im Westen Geschäfte machen. Inder sind ja durchaus geschäftstüchtige Menschen, und wenn der Westen das verlangt, dann halten sie damit auch nicht zurück.

Da werden auch schon mal Hatha-Yoga Übungen, um sie noch dynamischer erscheinen zu lassen (Yoga ist eigentlich das Gegenteil), mit Sprüngen verbunden. Andere verbinden das Ganze mit Elementen aus fernöstlichen Kampfkunsttechniken. Warum das dann noch immer „Yoga“ heißt?

In die Gesundheitskerbe schlägt auch der „Hormon-Yoga“, gut im Klimakterium und bei Kinderwunsch. Es muss ja nicht immer Erleuchtung sein. Nicht weit davon firmiert der Luna-Yoga® (wieder Markenzeichen!).

Die Drei-Einheit von Körper, Geist und Seele wäre ja an sich nichts Neues unter der Sonne, nicht einmal im Westen, hätten wir da nicht den vermarktbaren Begriff des TriYoga®. Und selbst Yoga im täglichen Leben® ist ein eingetragenes Markenzeichen. Da ist die Pharmaindustrie mit ihren Patentrechten nichts dagegen.

Yogilates® ist keine neue indische Kaffeemischung, sondern ein Konglomerat aus Yoga (?) und Pilates. Und weil dieser Begriff geschützt ist, man aber mit Buchstaben wunderbar jonglieren kann, gibt es auch noch Yolates®, dasselbe, nur ein bisschen anders verbrämt.

Das sollte eigentlich reichen. Die Befürchtung, dass wöchentlich neue individuelle Kreationen hinzukommen, ist aber nicht von der Hand zu weisen.

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