Selbstliebe

Es ist heute so inflationär von Selbstliebe die Rede, und das klingt doch so oft nach Selbstillusion.

Selbstliebe hat wie alles in der Welt zwei Seiten.

Die eine ist: Ich sollte mich selbst so wie ich bin, mit allen, auch den dunkelsten Ecken und Kanten, erkennen und lieben.

Die zweite ist: Ich sollte mich hineinlieben in das Ideal meiner selbst. In religiöser Sprache: so wie Gott mich gewollt hat.

Diese Sprache ist vielen zuwider, aber es besagt nur, dass dieses „Bild“ aus einem unendlich größeren Rahmen stammt, als der, in dem ich konkret lebe.

Jedenfalls heißt Selbstliebe, diese Diskrepanz, die manchmal ein Abgrund ist, zwischen miserabler endlicher Realität und unendlichem Seinkönnen auszuhalten.

2 Gedanken zu “Selbstliebe

  1. sven_wiesrecker

    Ich glaube, das Wort „Selbstliebe“ hat schon lange seinen eigentlichen Sinn im Bewusstsein unserer Gesellschaft verloren. Selbstliebe heißt vor allem zu erkennen: das Leben ist kein Idealzustand. Wir haben auch Schwächen, machen Fehler und fügen anderen Unrecht zu. In der heutigen Zeit verlieren diese Werte aber an Akzeptanz. Wir dürfen keine Schwächen mehr zeigen. Doch der perfekte Mensch ist unmenschlich – es gibt ihn nicht. Selbstliebe heißt Schwächen akzeptieren und aus Fehlern lernen.

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