Nicht angeloben oder entlassen?

Der Sommer ist gerettet: Statt ins Kabarett Simpl zu gehen, kann man simple Interviews und Sager aus der Mitte des politischen rechten Rands konsumieren.

Zumindest bis zur nächsten Wahl bleibt uns das butterweiche Antlitz des Norbert Hofer erhalten. Nach der Wahl wird es ohnehin erstarren, entweder weil er nicht Bundespräsident wird oder weil er es wird: „Sie werden sehen, was noch alles möglich wird!“ So ähnlich lautete seine Drohung vor laufenden Kameras.

Fairnessabkommen lehnt Hofer ab. Egal, er würde sich ohnehin nicht daran halten. So ehrlich ist er zumindest. Inzwischen übt er sich schon mal in Untergriffen Richtung Gegner. So entwindet er sich den ständigen Journalistenfragen, ob er denn wirklich eine Regierung entlassen würde, wenn sie ihm nicht passt, mit einem scheinbaren „Seitenhieb“ auf den Gegenkandidaten. Der würde Strache als Kanzler oder Hofer als Minister nicht angeloben. Dass Alexander van der Bellen auch seine Gründe dafür auf den Tisch legt, ist für Hofer nebensächlich. Hofer befleißigt sich sofort, dass er jede Regierung angeloben würde, egal aus welcher Partei.

Damit verkleidet er sich gekonnt als Demokrat, man möge ihm das abnehmen. Er hat ja ohnehin sein Auffangnetz dahinter aufgespannt. Er würde jede Regierung (also abgesehen von einer rechten) entlassen, wenn sie ihm nicht passt. Und das wohl so lange, bis sie ihm passt. (So wie wir jetzt anscheinend so lange wählen müssen, bis Hofer endlich gewinnt). Hofer präsentiert sich damit im ersten Schritt (Angelobung einer Regierung) „demokratisch“, nur um im zweiten Schritt (wenn ihm eine Regierung nicht passt) den Diktator zu geben.

Auf die Frage, warum er glaube, am 2. Oktober mehr Stimmen zu gewinnen als VdB, antwortete Hofer ungeniert: „Ich stehe für Kontinuität. Ich grenze keine Partei aus. Sollte ich gewählt werden, dann will ich bei einer Wiederwahl auch alle zwölf Jahre Bundespräsident sein.“ Seine „Kontinuität“ sieht dabei so aus, dass er mit vielen Konventionen bricht, die wir bisher von diesem Amt gewohnt waren. Er grenze keine Partei aus, entlässt sie aber, wenn sie ihm nicht passt. Außerdem klingt das „Ich grenze keine Partei aus“ von einem, der sich zu einer Partei bekennt, deren Kernkompetenz ausschließlich das Ausgrenzen ist, wie glatter Hohn. Das ist tatsächlich Marke Kabarett. Und mit den 12 Jahren – ein fieser Seitenhieb auf das Alter seines Gegenkandidaten – bedient er die anscheinend von seiner Partei ins Leben gerufenen, wirklich grauslichen Untergriffe auf eine angebliche Krankheit des „Gegners“.

Für alle ohne blaubraune Sonnenbrille ist das die Masche des Norbert Hofer: mit schleimigem Lächeln dem anderen die größten Gemeinheiten ins Gesicht zu schleudern, seine diktatorische rechte Gesinnung notdürftig mit einem ach so demokratischen Mäntelchen zu umkleiden.

Die jetzige Regierungsmannschaft ist neu, und die würde Hofer selbstverständlich akzeptieren – aber nicht ohne deren Abgang bereits vorzubereiten. „Sorgen bereitet mir die neue SPÖ-Staatssekretärin“ (Muna Duzdar). Und zwar deren Idee, mehr Migranten in den öffentlichen Dienst zu bringen. Diese Idee diffamiert Hofer als „positive Diskriminierung“. Das Wort „positiv“ klingt ja so freundlich wie seine aufgesetzte Miene. „Das ist der falsche Weg. Denn was zählen muss, ist einzig und allein die Qualifikation.“ Was so offen klingt wie die FPÖ und speziell Hofer nie im Leben sind. Tatsächlich würden sie dem nur dann zustimmen, wenn Deutschtum als Qualifikation gilt. Die aber ist sowieso vorgesehen, wenn die Regierung so lange entlassen wird, bis sie rechts-tauglich ist.

Hofer verschleiert ja nicht mal, dass das einzige Kriterium für seine Entlassung jeder Regierung ist, dass diese nicht rechtslastig ist. So wie das einzige Kriterium einer Wahlanfechtung – auf Basis auch von Ungereimtheiten in den eigenen Reihen – war, dass Kandidat Hofer knapp unterlegen ist.

Klar, dass auch kein Fairness-Abkommen zustande kam. Enthalten hätte es ja auch eine Mindestvereinbarung betreffend Fairness, mit der klargestellt worden wäre, dass Diffamierungen, Angriffe auf die Privatsphäre der Kandidaten und ihrer Familie sowie „dirty campaigning“ zu unterlassen sind. Genau darauf ist aber die FPÖ spezialisiert!

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