Bilder des Unbewussten

C.G. Jungs Gestaltungen, Zeichnungen und Skulpturen

Sozusagen „das kleine Rote Buch“, enthält dieser Band Bilder aus dem Roten Buch, aber auch frühe Arbeiten, die noch nie veröffentlicht wurden. Jung selbst hat sich nie als Künstler verstanden und bei den wenigen Bilder, die er für Illustrationen seiner Bücher beigesteuert hat, seine Urheberschaft nicht erwähnt. So war sein künstlerisches Schaffen nur wenigen in seiner unmittelbaren Umgebung vertraut.

1975 ehrte die Stadt Zürich Jung mit einer biografischen Ausstellung, in der auch vier Bilder sowie Fotos von Steinarbeiten gezeigt wurden. Hier wurde erstmals die Bandbreite seines Schaffens angedeutet. Erst als 2009 das Rote Buch veröffentlich wurde, stieg das Interesse am künstlerischen Schaffen dieses so kreativen Menschen. Es folgten Ausstellungen mit dem Original des Roten Buches in den USA und Europa, unter anderem der Kunst-biennale Venedig 2013.

Jung genoss keine künstlerische Ausbildung, sondern scheint sich alles autodidaktisch angeeignet zu haben. Grundlage ist wohl sein enormes Interesse an Gestaltungen der Psyche, die er auch mit seiner Aktiven Imagination bei sich und seinen Klienten anregte. So bilden seine beruf-liche und künstlerische Tätigkeit eine Einheit, wobei ihn die symbolische Bedeutung mehr interessierte als die Ästhetik. Jung verfügte aber über ein breites Wissen über bildende Kunst, besuchte Ausstellungen in Zürich und New York, besuchte kunsthistorisch interessante Orte, und er besaß eine reichhaltige Sammlung von Objekten, Bildern und Kunstgegenständen. Außerdem war er mit KünstlerInnen aus aller Welt persönlich bekannt. Seine Einstellung zur modernen Kunst war ambivalent. In der Abstraktion moderner Künstler sah er die gleichen Tendenzen wie bei seinen Klienten. Vom Symbolismus war er naturgemäß eher angezogen.

Seine eigenen frühen Bilder (bis etwa 1908) zeigen als Motive Burgen, Landschaften, Seen und Häuser. Etwa 1915 – 1928 gestaltete er seine „inneren Bilder“ und teils bemalten Skulpturen als Auseinandersetzung mit dem Unbewussten – in einer Zeit, in der er seine Aktive Imagination ent-wickelte. Das umfangreichste Werk aus dieser Zeit ist das Rote Buch. Eine eigene Phase war die Gestaltung des Turmes in Bollingen am Zürichsee, den er als dreidimensionales Mandala auslegte.

Immer steht sein künstlerisches Schaffen in enger Verbindung zur wissenschaftlichen Tätigkeit. 1913 begann Jung sein Selbstexperiment der Auseinandersetzung mit dem eigenen Unbewussten, das sich im Roten Buch niederschlug. In dieser Zeit formulierte er die Hypothese des kollektiven Unbewussten und der Archetypen, die – selbst unanschaulich – sich in archetypischen Vorstellungen und Bildern in Träumen und Fantasien niederschlagen. Sein Interesse galt der Alchemie, der Gnosis, der griechischen Antike und der Ägyptischen Mythologie, ebenso wie der asiatischen Kultur in Yoga, Buddhismus und Daoismus. Schon seine frühen Burgen hatten Mandala-Charakter, seine KlientInnen (und er selbst) malten spontan Mandalas, und er fand sie wieder in den asiatischen Kulturen.

In der Schule hatte man ihm jegliches Talent abgesprochen, die Technik war ihm auch nicht wesentlich, die eignete er sich später autodidaktisch an. Er wusste aber, „dass es im Wesentlichen von meinem Gefühl abhing. Ich konnte nämlich nur das zeichnen, was meine Fantasie beschäftigte.“ Malen und Gestalten war ihm etwas Existenzielles. Im selben Kontext muss Jung als Sammler gesehen werden. Immer ging es um Symbolik und Mythologie der äußeren und inneren Welt. Zeit seines Lebens suchte er nach empirischem Material, um das eigene Erleben und das seiner KlientInnen zu belegen.

Das Buch gibt einen Überblick über Jungs frühe Bilder von Burgen und Landschaften, seine Malweisen und Techniken, seine Farbkonzepte, seine Arbeitsweise im Roten Buch sowie seine Mandala-Zeichnungen. Es stellt das Schaffen eines kreativen Geistes vor, dessen Kreativität sich in seinem Zugang zu seinem eigenen Inneren – wo er Pionierarbeit leistete – ebenso wie in seinem künstlerischen Gestalten, und da wiederum in Zeichnungen, Malereien und Skulpturen bis hin zum Turm in Bollingen. In allen Bereichen zeigt sich sein Blick über den Tellerrand, der nicht nur in Nachbarbezirke reichte, sondern weltumspannend war.

C.G. Jung

Bilder des Unbewussten

Gestaltungen, Zeichnungen und Skulpturen

Edition C.G. Jung 2020, Herausgegeben von der Stiftung der Werke von C.G. Jung. Hardcover, 24 x 28 cm, 272 Seiten, ca. 260 vierfärbige und 20 s/w Abb. EUR 58,00 [D], EUR 59,70 [A] ISBN 978-3-8436-1226-5

Kat.-Nr. 28. Wald mit Weiher, 1902, Aquarell auf Papier, 14 × 21 cm. Beschriftung (verso): 2.XII.1902. Eine Reminiszenz aus dem besseren Leben. Es ist zwar wüst gesalbt, aber ut desint vires, tamen est laudanda voluntas [Es ist zwar schlecht ausgeführt, aber auch wenn die Kräfte fehlen, ist die Absicht dennoch zu loben]. © Stiftung der Werke von C. G. Jung, Zürich
Kat.-Nr. 63. „Der kunstvoll geschlungene Knoten“, 1917. Gouache und Goldbronze auf Karton, 37 × 31,5 cm. Beschriftung: Jung Dez. 1917. © Stiftung der Werke von C. G. Jung, Zürich
Rotes Buch, fol i © Stiftung der Werke von C. G. Jung, Zürich

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