Aggression…. und mehr

Cover_VerbeekIn den Medien ist direkt oder indirekt derzeit mehr von Aggression die Rede als von anderen Themen. Höchste Zeit sich damit zu beschäftigen. Wer das ernsthaft tun will, dem sei das Buch von Reinier Verbeek „Aggression und das Deeskalieren bis in Grenzbereiche“ empfohlen.

Dass es dabei nicht bloß um eine Außensicht geht, zeigt der Untertitel: „Selbstbewusstsein, Selbstwirksamkeit, Grenzen im Umgang mit Aggressionsdynamik“. Eine „Warnung“ scheint jedoch angebracht: Das Buch liegt weitab von billiger Ratgeber-Literatur, Umfang und Tiefgang fordern dem Leser einiges ab. Wer sich jedoch darauf einlässt, wird vieles über Konfliktsituationen und auch vieles über sich selbst erfahren.

Der Begriff „Aggression“ wird detailliert und differenziert dargestellt. Zugrunde liegende Muster werden erörtert, Fähigkeiten und Handlungskompetenzen zur Prävention und Deeskalation vorgestellt, bis hin zu Befreiungs- und Abwehrtechniken.

Es handelt sich zunächst um das Buch eines Praktikers. Verbeek war Berufsunteroffizier einer Eliteeinheit, später im Sicherheitsbereich tätig, dann in psychiatrischen Krankenhäusern und zuletzt in sozialtherapeutischen Einrichtungen. Weiters handelt es sich um ein einfühlsames und tiefgehendes Buch, das ausführlich auf Motivationen, Stressbewältigung, (unterbewusste) Denkmuster und die Rolle der Intuition eingeht. Wer mit Aggressionen zielführend umgehen will, muss sein eigenes Stresserleben kontrollieren können. „Mit einer zu hohen, unkontrollierten inneren Erregtheit geht der Kontakt zu sich selbst, die Fähigkeit zu reflektieren und die Achtsamkeit für die Situation im Jetzt verloren.“ Verbeek beschreibt daher nicht nur, wie Stress entsteht, sondern auch, wie man sein eigenes Stresserleben in akuten Situationen besser kontrollieren, steuern und einsetzen kann.

Jedem ist klar, dass im Umgang mit Aggression nicht nur erlernte Fähigkeiten und Muster ausschlaggebend sind, sondern auch das unmittelbare Reagieren. Daher ist ein ganzes Kapitel der Intuition gewidmet. „Intuition wird sogar als zweite, als eine andere, gleichwertige Form der kognitiven Prozessvorgänge neben der rationalen Analyse und dem Gebrauch von Logik angesehen.“ In der konkreten Situation ist keine Zeit für logische Analysen oder bewusste Abwägungen. Da gerät uns zum Nachteil, dass wir „den bewussten Kontakt zum noch Unbewussten durch unterschiedlichste, gegenwärtige Umstände und Einflüsse verloren“ haben.

Es ist somit auch ein durchaus psychologisches Buch, das nach Verhaltens- und Denkmustern forscht, auf rücksichtsvolle und rücksichtslose Bedürfnisbefriedigung wie auf Persönlichkeitsstörungen eingeht, lösungsorientierte Gesprächstechniken vorstellt, aber auch reflektiert, wie unsere Wahrnehmung entsteht. „Das Unbewusste formt das Bild, das wir unsere Umwelt nennen.“ Es grenzt damit sogar an wissenschaftstheoretische Fragestellungen. Das hat zur Folge, dass man beim Lesen immer wieder auf sich selbst zurückgeworfen wird. Wenn z.B. davon gesprochen wird, dass abstrakte Labels und „Schubladen“ zwar Halt und Orientierung bieten, aber auch dazu führen, selektiv wahrzunehmen, bestimmte Merkmale wegzulassen und andere hineinzuinterpretieren, dann wird klar, dass sie die Sicht auf die Situation auch im Alltag verstellen. Das sagt auch viel über unsere eigenen Denkmuster aus und verleitet zu der Frage, inwieweit bestimmte, harmlos erscheinende Denkmuster in letzter Konsequenz auch zu aggressivem Verhalten führen können.

Letztlich geht es, wie in allen Wissensgebieten, um die Frage nach dem Menschen. Menschliches Verhalten ist nicht transparent, linear und vorhersehbar, sondern eher unberechenbar, chaotisch und asymmetrisch. Was einen Menschen bewegt ist teils ersichtlich, teils ungreifbar und verborgen. Wenn wir danach fragen, kann eine bestimmte Fragestellung die Antworten beeinflussen. Mit Situationen der Aggression umzugehen ist umso eher möglich, je mehr man sich selbst kennt. Letztlich „sind wir das Werkzeug als Mensch selbst“.

Fazit: Keine leichte Kost, aber sehr empfehlenswert. Das Buch ist auch so aufgebaut, dass man nicht unbedingt fortlaufend lesen muss, sondern in einzelne, subjektiv interessierende Kapitel einsteigen kann, um sich von daher das Buch zu „erobern“.

Reinier Verbeek
Aggression und das Deeskalieren bis in Grenzbereiche
Selbstbewusstsein, Selbstwirksamkeit, Grenzen im Umgang mit Aggressionsdynamik
Eigenverlag 2015; Printed in Germany by Amazon Distribution GmbH, Leipzig
Paperback
ISBN: 978-1505202366

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Aggression und Deeskalation

Cover_VerbeekWie könnte ein professioneller und verantwortungsvoller Umgang mit Aggression aussehen? Antworten darauf gibt ein Buch von Reinier Verbeek: „Aggression und das Deeskalieren bis in Grenzbereiche. Selbstbewusstsein – Selbstwirksamkeit – Grenzen im Umgang mit Aggressionsdynamik“.

Wer mit der Aggressionsdynamik professionell und verantwortungsvoll umgehen will, darf sich nicht auf instinktive Impulse und individuelle Reaktionsmuster verlassen. Der Autor stellt verschiedene Verhaltensweisen und Aggressionsformen sowie deren zugrundeliegende, unterschiedliche Funktionen vor. Er geht auf allgemeine Motivationen für Verhaltensweisen und die mehrschichtigen Mechanismen hinter der Aggression ein. Wie und durch welche individuellen und kontextabhängigen Einflussgrößen entsteht eine Aggressionsdynamik? Welche nützlichen Ressourcen lassen sich für die Bewältigung mobilisieren? Beispiel Stress – wenn man ihn kontrolliert lernt.
Als präventiven Faktoren nennt Verbeek die innere Haltung als Ursprung für unsere Verhaltensweisen, als Grundlage für den Verhaltensausgleich, für das Wahren der Sicherheit und zur Lösungsfindung. Nicht zuletzt werden Gesprächstechniken als konstruktive Basisressource vorgestellt, wobei bestimmte Grundvoraussetzungen zu beachten sind. Ein ambivalentes Thema mit jedoch hohem positivem Stellenwert, nämlich Selbstverteidigung, rundet das Buch ab.

Reinier Verbeek darf als Experte in Sachen Aggression und deren Bewältigung bezeichnet werden: Dafür sprechen seine unterschiedlichen Tätigkeiten als Berufsmilitär und Unteroffizier einer Eliteeinheit, im Sicherheitsbereich als Security, als Trainer von Personenschützern und in psychosozialen Einrichtungen (Kinder- und Jugendpsychiatrien, Sozial-Psychiatrien, therapeutischen Wohngruppen, Wohngemeinschaften, allgemeinen sozialen Einstellungen). Heute ist es sein Ziel, Personen aus den unterschiedlichsten beruflichen Sparten nach hohen Maßstäben im konstruktiven und sicheren Umgang mit grenzwertigen Situationen coachen, trainieren und unterrichten zu können.

Info: www.iva-seminare.at/

Reinier Verbeek
Aggression und das Deeskalieren bis in Grenzbereiche
Selbstbewusstsein – Selbstwirksamkeit – Grenzen im Umgang mit Aggressionsdynamik
CreateSpace, 2015. Paperback: 244 Seiten.
ISBN: 978-1505202366