Gleichnis

Wenn das, was wir sehen
nur ist, was wir säen,
dann ist das, was bloß objektiv wir nennen,
das, was wir gar nicht wahrnehmen können.

Selbst wenn du die Bibel auswendig kannst,
und glaubst, dass du den Inhalt kennst,
hast du sie buchstäblich veräußerlicht,
tief verinnerlicht hast du sie nicht.

Buchstaben und Worte aneinandergereiht,
sind wie Boote mit kostbarem Inhalt.
Doch nur Tod auf Booten gedeiht,
die hölzern vermodern ohne Gehalt.

Der Buchstabe tötet,
beraubt, ohne Sinn,
nur der Geist macht lebendig
nur Leben Gewinn.

Begriffe begreifen Begrenztes,
deutlich, exakt, doch nicht wirklich.
Symbole schildern dunkel in Bildern,
auf allen Ebenen ergeben Lebendes.

Was so festgefügt uns erscheint und gefällt,
ist die Illusion von Platons Schattenwelt.
Woraus diese Welt scheinbar zusammengefügt,
dem Kleinsten wie dem Ganzen niemals genügt.

Ob physikalische Begriffe oder religiöse Erzählung,
erst mit dem Unbegreiflichen in Vermählung
Sichtbares mit Unsichtbarem fest verbindet,
und gleichnishaft zur Wirklichkeit erfindet.

Bilder

Zeigt sich offenes Gelände,
Warten auf des Schicksals Band,
oder fahre ich an der Sackgasse Ende
doch wieder gegen die Wand?

Hätten wir mehr vom Anfang gehabt,
wüssten vielleicht, wie‘s weitergeht,
hätt‘ mich an deinem Antlitz gelabt,
doch Wüstensand ist schnell verweht.

Statt Frühlingsknospen aus Schneeboden sprießen
und Wasser rieselt auf allen Wegen,
Herbststürme entwurzeln der Bäume Riesen.
Chaos waltet ohne deinen Segen.

Ein Schrei verhallt im rauen Sturm,
Laub erzittert auf trocknenden Bäumen,
winde mich wie ein gequälter Wurm.
Muss Trauer meine Wege säumen?

Möchte dein Bild nicht verblassen seh‘n
kämpfe meine Fantasien nieder,
Will noch nicht vor dem Abgrund steh’n.
Die Bilder kommen immer wieder.