Mit der Seele auf Du

Das Rote Buch von C.G. Jung beginnt damit, dass er seine Seele als Person anspricht, vom Geist der Tiefe dazu aufgefordert. Sie tritt ihm, verloren gegangen, wieder entgegen. Dasselbe finden wir im Yoga, im Tantra und in jeglicher Mystik.

In seiner Biografie „Erinnerungen, Träume Gedanken“ berichtet Jung, dass er sich schon als Jugendlicher als zwei Personen erlebt hat, die er auch zunächst als Person 1 und Person 2 bezeichnete, später dann als Ich und Selbst. Das eine ist das bewusste Ich, das andere ein Übergreifendes, Wissendes, „eines kollektiven Geistes, dessen Lebensjahre Jahrhunderte bedeuten“. … „Nr. 2 war in der Tat ein ‚Gespenst‘, das heißt, ein Geist, der an Macht dem Weltdunkel gewachsen war.“(1) Das ist auch ein Beispiel dafür, dass ein dualistisches und monistisches Weltbild nicht gegeneinander ausgespielt werden sollten, sie gehören als Gegensätze komplementär zusammen. Wer sich nicht als gespalten erlebt, kann zu keiner Vereinigung kommen, die Jung dann Individuation nennt.

Das Unbewusste tritt uns in vielen Aspekten und Gestalten entgegen, als innere Bilder und Stimmen, und es ist nicht entscheidend, ob wir sie als „innerpsychisch“ oder als eigenständige „Geister“ bezeichnen. Es geht in der Psyche nicht um eine Außenwelt, sondern um die Innenwelt, aber als Welt ist sie – dem Ich gegenüber – wieder so etwas wie eine (dem Ich) äußere und objektive Welt. Es geht darum, sich diese zunächst fremden inneren Aspekte vertraut zu machen. Dabei verhalten sich Archetypen immer auch wie eigene Entitäten mit eigenem Bewusstsein und Wissen, das weit über das Ichbewusstsein und dessen Wissen hinausgeht, und sogar in einem kollektiven Wissen der Menschheit mündet.

Seelisches Erleben ist daher zunächst eine Begegnung mit etwas Fremdem, Eigenständigem, beinahe Persönlichem, das erst nach und nach in einem Prozess der Individuation assimiliert und integriert werden kann. Erst die Vereinigung der Gegensätze (männlich – weiblich, oben – unten) führt zum Einheitserleben des Selbst.
Die Auseinandersetzung mit dem Unbewussten, mit der eigenen Psyche ist zudem eine Gratwanderung zwischen Psychose, Paranoia oder wie immer man das bezeichnen will, und dem bewussten Erleben einer inneren, und doch anderen Welt des Numinosen. So beginnt Jung am Anfang des Roten Buches mit seiner Seele zu reden. Philemon, sein innerer Guru (wie ihm später ein Inder erklärt), bringt ihm bei, „dass es Dinge in der Seele gibt, die nicht ich mache, sondern die sich selber machen und ihr eigenes Leben haben“.(2) Mit anderen Worten: Es gibt eine psychische Objektivität, eine Wirklichkeit der Seele.

Die innere gegengeschlechtliche Ergänzung
Die Auseinandersetzung mit der inneren Welt ist komplex (Persona, Schatten, Anima/Animus, der Held, der/die Alte Weise…). Die Seele als das noch unbekannte Andere ist aber als solche gegengeschlechtlich. So muss der Mann mit seiner inneren weiblichen Seite in Kontakt kommen, die Frau mit ihrer inneren männlichen Seite. Dieser eine Aspekt ist wieder komplex. Archetypen sind mehrdimensional, haben eine Bedeutung auf allen Ebenen. So ist auch die Anima (und der Animus) nicht eindeutig, sondern vielschichtig. Wie alle archetypischen Bilder hat sie ein breites Bedeutungsspektrum, wie alles Lebendige.

Schon bei der ersten Begegnung mit der Anima in der Mutter geht es um einen komplexen Menschen. Dieses Bild setzt sich fort in der Partnerin, die dem inneren Bild der Anima mehr oder weniger entspricht oder entsprechen sollte. Was diesem Bild nicht nahekommt, projizieren wir. Wobei Projektion nichts Negatives ist, innen und außen sind nicht zu trennen. Wir haben ein inneres Bild vom Partner (das Bild der eigenen Seele, der Anima, des Animus), und wenn der/die Geliebte dem nahekommt, dann fühlen wir uns vertraut und „seelenverwandt“. Es bleibt aber immer auch Fremdes und das wird zur Lebensaufgabe. Im Idealfall wachsen das innere Bild und die äußere Person zusehends zusammen, wobei sich beide wandeln.

Das Spektrum des Weiblichen / Männlichen
Wie auch das Männliche umfasst der Archetypus des Weiblichen ein enormes Spektrum. Zumeist ist das keine Einheit, sondern gespalten in hellere und dunklere Seiten oder Aspekte. Jung spricht auch von der Zweideutigkeit der Anima. Wir kennen das vom Mythos der Hure und der Heiligen. Der Mann, der das klassisch nicht zusammenbringt, sucht das eine im Bordell und das andere in der Ehe. Wobei sich so die Frau nicht als Frau gesehen fühlt, außer sie identifiziert sich auch nur mit dem hellen Teil und verdrängt das Dunkle in sich. Dieses Dunkle ist ja nichts Negatives, sondern der eine, basale Teil des animal rationale, das der Mensch ist.

Der Mann, der sich selbst und seine seelische Bandbreite einigermaßen kennengelernt hat, wird auch in seiner Partnerin dieses Spektrum schätzen. Bei einem Mann, der seine Frau „vergöttert“, kann eine Frau auch ihre dunkle Seite leben. Wenn beide das ganze Spektrum leben können, dann ist das Animalische nicht mehr negativ und das Engelhafte oder Göttinnenhafte nicht mehr abstrakt. Beides kann ins Liebes- und Lebensspiel eingebunden und verbunden werden. Es kann dadurch nicht nur zur Vereinigung von Männlichem und Weiblichen (äußerlich und innerlich), sondern auch von oben und unten kommen. Das Animalische und das Göttliche verlieren ihren Charakter der Ausschließlichkeit, sondern ergänzen sich komplementär.

Über die Zeit seiner Auseinandersetzung mit dem Unbewussten sagt Jung: „Damals stellte ich mich in den Dienst der Seele. Ich habe sie geliebt und habe sie gehasst, aber sie war mein größter Reichtum. Dass ich mich ihr verschrieb, war die einzige Möglichkeit, meine Existenz als eine relative Ganzheit zu leben und auszuhalten.“(3) Der Gegensatz zwischen Bewusstsein und Unbewusstem, zwischen äußerer und innerer Welt, die Zweideutigkeit der Anima sind die Voraussetzung für das Erleben der Ganzheit.

Anima und Shakti
Jung hat sich mit antiken, aber auch sehr viel mit asiatischen Kulturen beschäftigt, weil er Ähnliches in den Träumen seiner KlientInnen gefunden hat. Im Yoga, Buddhismus oder Tantra finden sich Elemente, die genau den Archetypen Jungs entsprechen. Dort sind Philosophie und Psychologie nicht so getrennt wie bei uns im Westen. So ist die Bandbreite des Seelischen dort selbstverständlich. Die Gottheiten sind weniger abstrakt als psychisch zu verstehen, es gibt meist einen „positiven“ und einen „negativen“, einen lieblichen und einen schrecklichen Aspekt. Die männlichen Gottheiten werden mit ihrer Shakti (ihrem weiblichen Aspekt, welcher der Anima entspricht) dargestellt, und die (männlichen wie weiblichen) Gottheiten haben auch meist zwei gegensätzliche Aspekte. Am augenfälligsten ist der schreckliche Aspekt der Kali, die blutrünstig mit Totenkopf-Girlande um den Hals dargestellt wird. Aber auch dieser Aspekt ist nicht bloß „negativ“. Es ist der zerstörerische Aspekt, aber als Zerstörer der (Ich-)Illusion ist dieser Aspekt schon wieder positiv. Außerdem sind Werden und Vergehen beide notwendig für das Weltgeschehen. Da ist jedenfalls mehr Psychologie drin als in so mancher westlichen Psychologie.

Besonders augenfällig ist dieses Spiel von Männlich und Weiblich im Tantra. Der ist zwar im Westen zum vorwiegend sexuellen Spiel degeneriert, wie alles, was von Asien in den Westen kommt, aber ursprünglich geht es um die Auseinandersetzung mit der eigenen gegengeschlechtlichen Seite, also der Seele als der inneren Göttin. Es ist dabei nicht so wesentlich, ob das mit oder ohne konkrete Partnerin geschieht. Die tantrischen Mystiker leben mit ihrer inneren Göttin eine beinahe reale Beziehung. Wenn sie eine Partnerin haben, dann sehen sie auch in dieser die Shakti, die innere Göttin, und sie wird dieser auch immer ähnlicher.

Dazu ist die Annäherung der Projektion der Anima und der konkreten Partnerin, wie oben beschrieben, quasi eine Vorstufe. Wenn C.G. Jung seine Seele als Person anspricht, dann ist das nicht viel anders. Das bewusste Ich tritt in Verbindung mit der bislang unbewussten Anima, die einen viel weiteren und tieferen Horizont hat als das bewusste Ich. In der Sprache des Tantra tritt der Mystiker in Beziehung zu seiner inneren Göttin, wobei „innen“ oder „jenseitig“ nur verschiedene Ausdrucksweisen sind, die durchaus gleichbedeutend nebeneinanderstehen können.

Der erotische Aspekt des Spirituellen
Das wirft auch ein ganz anderes Licht auf die Begegnung von Mann und Frau, die immer auch eine Begegnung mit dem eigenen gegengeschlechtlichen Seelenanteil ist. Letztlich geht es darum, Abgespaltenes und darum Fremdes wieder hereinzuholen. Dadurch wird wiederum die Sexualität eine viel weitere Bandbreite erhalten, wird seelische Begegnung mit körperlichem Ausdruck sein. Die Vereinigung wird auch Vereinigung der Pole im Außen und Innen, und auch von Unten und Oben sein. Es wird ein Spiel zwischen Vertrautem und Fremden, dem Seelenverwandten und dem ganz Anderen. Auch zwischen Erfahren und Lernen, das nie an ein Ende kommen wird.

Da die Anima aus den Tiefen des Unbewussten kommt, tritt sie dem Mann auch als die Sophia oder Weisheit entgegen. Und da sie auch die dunklen Aspekte umfasst, muss der Mann diese nicht länger abspalten. Der erotische Aspekt ist vom spirituellen nicht zu trennen. Der tantrische Mystiker hat eine durchaus erotische Beziehung zu seiner inneren Göttin, die wiederum nicht verehrt oder angebetet (was eine gewisse Distanz voraussetzt), sondern geliebt werden will.

(1) C.G. Jung: Erinnerungen, Träume Gedanken, Patmos Verlag, 19. Aufl. 2016, S 108 f.
(2) Erinnerungen, S 204
(3) Erinnerungen, S 214

 

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Das Buch der Bilder

Cover_Jung_Buch der BilderAm 24. April 1948 wurde das C.G. Jung-Institut Zürich gegründet. 2018 besteht es somit seit 70 Jahren.  Um das zu feiern, braucht es etwas Besonderes: Patientenbilder aus dem Institut, die bisher einem größeren Publikum nicht zugänglich waren, in Buchform. Gleichzeitig sind die Bilder im Museum im Lagerhaus, St. Gallen (noch bis 8. Juli 2018) zu sehen. Das Buch ist also gleichzeitig ein Ausstellungskatalog.

Jolande Jacobi begann Ende der 1950er Jahre, ca. 4500 Bilder von Jungs Patienten zu archivieren, dazu ca. 6000 Bilder ihrer eigenen Patienten. Die Bilder bestechen nicht nur durch ihre archetypische Aussagekraft, sondern auch durch ihre künstlerische Gestaltung.

C. G. Jung hatte selbst seine Träume, Imaginationen und Visionen gemalt, z.B. in seinem berühmten Roten Buch, eine intensive Auseinandersetzung mit dem kollektiven Unbewussten. Er entwickelte dazu die Aktive Imagination und hielt auch seine Patienten an, damit zu experimentieren und die Bilder zu malen. Dies ist einerseits ein besonderer Zugang zu sich selbst, andererseits bezeichnete Jung Menschen ohne Zugang zum eigenen Mythos als „Entwurzelte“. Dieser Zugang beruht darauf, so Jung, „dass man das Bewusstsein veranlasst, mit dem Unbewussten zusammenzuarbeiten, wodurch dieses dem Bewusstsein integriert wird.“ Dahinter steht die Ansicht, dass die Innenwelt real ist, und in diesen Bildern sichtbar wird.

Eine zentrale Rolle spielt die Symbolik der seelischen Ganzheit im Mandala, der ein Kapitel von Verena Kast gewidmet ist. Immer wiederkehrende Symbole sind Sonne, Licht, Wasser, Schlange, Lebensbaum, das Weltenei und natürlich der Mensch. Da es sich bei den Bildern meist um Serien handelt, ist eine Entwicklung abzulesen. Da es auch um Kollektives geht, sind sie zu deuten, auch wenn der persönliche Hintergrund meist nicht bekannt ist. Es geht um Wandlung, um Leben und Tod, um den Bezug des Endlichen zum Unendlichen, um die Erfahrung des Verbundenseins mit sich selbst, mit den anderen und mit etwas größerem Umfassenderen.

Jung leitet seine Patienten an, das zuerst passiv Geschaute auch aktiv zu gestalten, und zwar, „um Wirkung zu erzeugen“. Schon die Aktive Imagination ist ein aktives Zulassen. Das so Entstandene zu malen, bringt nicht nur eine weitere Konkretisierung, sondern ist selbst ein dynamischer Vorgang. Die Bilder sind wie Standbilder eines Films, der in der Serie sichtbar wird. Wichtiger noch ist, dass sich im Prozess des Malens das geschaute Bild weiter verändert.

Dies erinnert mich an ein zentrales Thema der Quantenphysik, die fast parallel zur Tiefenpsychologie entwickelt, aber kaum je im Zusammenhang gesehen wurde. Jede Messung verändert das Gemessene. Auch Wahrnehmung ist Messung. Im Hinschauen verändere ich, und verändert sich (aus dem Unbewussten) das Geschaute.

Daher ist eine Analyse nie zu Ende, wie der Kunsthistoriker Philip Ursprung am Ende seines Beitrags feststellt. Er legt außerdem dar, dass die Aktive Imagination nur dann funktioniert, wenn die Transformation eines inneren Bildes zugelassen wird, bevor sie in Worte gefasst wird. Wie auch beim Deutungsprozess darf die Bedeutung nicht vorschnell fixiert werden.

Wieder erstaunt die Parallele zur Quantenphysik. Durch die Messung werden die Eigenschaften eines Quantenphänomens „nicht festgestellt, sondern hergestellt“ (Herbert Pietschmann). Vor der Messung hat das Phänomen keine Eigenschaften, auch nicht das der Existenz. Es ist sozusagen überall und nirgends, als Überlagerung (Superposition) aller Möglichkeiten. Erst durch die Messung „kollabiert“ eine Möglichkeit in die Realität. In der Aktiven Imagination wie in der Deutung wird den Möglichkeiten (der Mehrdeutigkeit von archetypischen Symbolen) Raum gegeben, bis sich eine herauskristallisiert und verbalisiert, festgestellt werden kann. Physikalisch befinden wir uns vor der Messung in der Dimension der raum- und zeitlosen Wirklichkeit. Die psychologische Parallele dazu ist das kollektive Unbewusste, selbst nie zugänglich, aber in den archetypischen Bildern jeweils konkretisiert, ohne das Ganze (in der physikalischen Parallele die Superposition aller Möglichkeiten) je ausschöpfen zu können.

In der Aktiven Imagination und im Malen geht es darum, Wirkung (aus dem Unbewussten) zuzulassen. Der Patient malt sich immer selbst, lässt sich gestalten und gestaltet sich selbst. Die „abgeschlossene“ Therapie entlässt den Patienten als nun Erwachsenen, der nun ein Werkzeug hat, mit dem er an sich weiterarbeiten kann. Die Jung’sche Analytische Psychologie ist damit nicht nur für psychisch Kranke, sondern auch für „Gesunde“ zuständig.

Das vorliegende Buch gibt damit nicht nur einen Überblick über die Arbeit C.G. Jungs und seiner Schule (die er nie gründen wollte), sondern regt auch an, sich mit sich selbst und eigenen Assoziationen, Bildern und Gedanken zu beschäftigen.

 

Ruth Amman, Verena Kast, Ingrid Riedel (Hg.)

Das Buch der Bilder

Schätze aus dem Archiv des C.G. Jung-Instituts Zürich

Patmos Verlag 2018, 250 Seiten, Hardcover, ca. 250 Abb.

ISBN: 978-3-8436-1017-9

EUR 30,00  – Subskriptionspreis bis 12.6.2018, danach ca. EUR 36,00

Psychologie und Religion

Die allermeisten Diskussionen von und mit Religiösen und Atheisten kranken an einem Missverstehen dessen, was der Mensch ist, und zwar von beiden Seiten. Da religiöse Schriften in einer dem heutigen Denken fremden Sprache geschrieben sind, ist eine Diskussion der Texte sinnlos. Den Schlüssel zu diesen Texten hätten wir zwar seit etwa hundert Jahren in der Tiefenpsychologie, doch die wird seit ebenfalls hundert Jahren verdrängt und verleugnet.

Psychotherapeut wird man nur, wenn man auch eine Selbstanalyse durchgemacht hat. Nur so weiß er/sie um sich und den Menschen in der Welt. Auch Religion beruht auf (Selbst)Erfahrung. Wer nur (an Dogmen der Kirchen) glaubt, steht auf derselben Stufe wie derjenige, der nichts glaubt. Daher hat eine Diskussion zwischen diesen beiden nichts mit Religion zu tun. Ein unreflektiertes Überschwemmtwerden mit Bildern geht genauso am Menschsein vorbei wie eine Überrationalisierung.

Worum geht es?

Wir finden uns heute als fragmentiertes Ich in einer fragmentierten Welt. Soweit die pathologische Grundsituation. Trotzdem sind wir (unbewusst) verbunden und angewiesen auf etwas, das dieses Ich übersteigt, auf eine größere Ganzheit, die C.G. Jung als „Selbst“ bezeichnet hat, und die als unser Eigenes ein Nicht-Ich ist. Diese „das Ich überragende und umfassende Ganzheit“ (Erich Neumann) ist in sich Beziehung, eine Ich-Selbst-Beziehung, die eine ständige unbewusste Spannung darstellt. Diese Beziehung ist, weil  zum Teil unbewusst, arational und paradox.

Der Mensch steht aber immer in Beziehung zu diesem ihm Unbekannten und Übergreifenden. In religiöser Sprache ist der Mensch Endliches, bezogen auf Unendliches. In psychologischer Sprache ist der Archetypus des Selbst nicht von den Gottesbildern zu unterscheiden. Der Archetypus ist schlichtweg unbewusst, und Gott ist das schlichtweg Unnennbare.

Ein weiteres Paradox ist die unbewusste (und irrationale) Grundlage des Menschen einerseits und di notwendige (rationale) Bewusstwerdung andererseits. Im Mythos lebten die Menschen in ihrer Ganzheit, aber dunkel und unbewusst. Heute leben wir in unserem rationalen Ich-Bewusstsein, aber als Fragmente, abgeschnitten von der umfassenden Ganzheit. Beides ist einseitig und vorläufig. Was wir brauchen wäre klare rationale Bewusstheit, aber bezogen auf unsere paradoxe, irrationale Ganzheit der Ich-Selbst-Beziehung.

Die „moderne“ Persönlichkeit ist immer bedroht zu einer Maske zu erstarren (persona = die Maske im griechischen Theater).  Lebendig macht nur die Beziehung zum Unsichtbaren, Unnennbaren, Ganzen – so wie der nicht sichtbare Schauspieler hinter der Maske die Figur lebendig macht. Die heutige Verleugnung dessen, was das Ich in der Persönlichkeit übersteigt und worauf das Ich bezogen bleibt, führt zur Fragmentierung und Erstarrung des Menschen. Der „moderne“ Mensch lebt nur einen fragmentarischen Ausschnitt seiner menschlichen Ganzheit. Dieses verengte Dasein führt zur Isolation und Vereinsamung, Angst (das Wort kommt von Enge) und Depression (in der das verleugnete Umfassende unbewusst erdrückend wird).

In der Außenwelt versuchen wir verzweifelt, auch die Welt zu fragmentieren, suchen in den Naturwissenschaften nach den „kleinsten Bausteinen der Welt“, und stellen fest, dass es so etwas gar nicht gibt, sondern sich in der Mikrowelt hinter den Hilfsvorstellungen von Teilchen und Welle wieder etwas nicht vorstellbares Ganzes verbirgt.

In der Gesellschaft führt diese fragmentierende Ich-Isolierung zur Entwurzelung und Unsicherheit, die anfällig macht für Manipulation und Massenphänomene, wie wir derzeit nur allzu deutlich erleben.

Die Therapie unserer Zeit wäre die Öffnung des fragmentierten und isolierten Ich hin zu einer das Ich übergreifenden und umfassenden Grundlage in einer paradoxen (weil bewusst-unbewussten) Ich-Selbst-Beziehung. Ein schwieriges Unterfangen, schon wegen unserer natürlichen Angst vor dem Irrationalen und Numinosen. Denn wie jede wesentliche Entwicklung Gegensätzliches enthält und braucht, so steht hinter der notwendigen Entwicklung zur Bewusstwerdung gleichzeitig die Angst vor dem unkontrollierbaren Übergreifenden. Bevor der Mensch seine Doppelnatur nicht akzeptiert (Endliches, bezogen auf Unendliches) ist die Angst größer als die zu erreichende Geborgenheit.

Es braucht die Rückverbindung (religio) des fragmentierten Ich in die eigene ich-überlegene Tiefe. Dazu sind einige Stufen notwendig: Das Aufgeben der erstarrten Persona, die Bewusstwerdung des Schattens, der eigenen verdrängten Negativ-Anteile der Psyche, was immer auch zu ethischen Dilemmata, zur Erfahrung von Konflikt und Leiden führt. „Das Annehmen dessen, was vom Kollektiv als böse angesehen wird, kann zu den Notwendigkeiten der Befreiung des Schöpferischen gehören, wie jede Revolution lehrt, die politische wie die religiöse, die ja immer mit dem verbrecherischen Zerbrechen alter Werte verbunden ist.“ (Erich Neumann).

Dazu kommt die Auseinandersetzung mit dem gegengeschlechtlichen Anteil im Menschen (Anima/Animus), entweder mit einem Partner oder innerpsychisch. Ziel dieses Individuationsprozesses ist die verlorengegangene Ich-Selbst-Einheit, „die Übereinstimmung des Menschen mit seiner echten Persönlichkeitsganzheit“ (Neumann). Psychologisch gesehen sind die Symbole des Selbst von den Gottesbildern oder -vorstellungen nicht zu unterscheiden.

Auch in den Religionen geht es vor allem um den Menschen und seine Entwicklung. Aber hier überschreiten wir die Grenze zur Theologie. Aber auch hier bleibt das Paradoxe erhalten. Im tiefsten Seelengrund finden wir das, was wir gewöhnlich Gott nennen (Ignatius v. Loyola), aber: „Einen Gott, den es gibt, gibt es nicht!“ (Dietrich Bonhoeffer). Das Aramäische konnte diese Paradoxie noch ausdrücken: Das Wort für „Vater“ (als menschliche Vorstellung) war identisch mit dem Wort für „Ursprung“, dem Urgrund allen Seins.

 

Wenn Atheisten und Religiöse zum Psychologen gehen…

religionDie Krux unserer Zeit ist nicht der Säkularismus, sondern das Verleugnen oder Verdrängen der Psyche, ein psychologischer Analphabetismus, der zur religiösen Unmusikalität führen muss.

Es ist immer wieder hochinteressant, wenn z.B. auf Facebook gläubige Christen mit gläubigen Atheisten diskutieren. Meist sind dann die Fundamentalisten unter sich, das Niveau ist zwar ähnlich, kommt aber an das Thema, das man diskutieren will, gar nicht heran. „Natürlich gibt es Gott, er hat ja die Welt geschaffen.“ „Das ist ein Märchen aus alten Zeiten, man kann Gott nicht beweisen, also gibt es ihn auch nicht.“ Damit wäre das Thema auch schon vollständig umrissen, das da Stoff für endlose Streitgespräche liefert. Eigentlich könnte man es damit auch vergessen, denn das Niveau ist meist unter jeder Kritik, und mit Religion hat das ohnehin nichts zu tun.

  1. Religion lässt sich nicht auf die Frage reduzieren, ob es Gott gibt oder nicht, noch weniger darauf, ob man ihn beweisen kann oder nicht. „Einen Gott, den es gibt, gibt es nicht!“, sagte schon Dietrich Bonhoeffer. Er wäre ja sonst ein Ding unter anderen, und damit wäre er wirklich zu beweisen. Und könnte man ihn beweisen, dann gäbe es ihn nicht! Da es nun nicht mal die Welt (als Ganzes) „gibt“ (Markus Gabriel), „gibt“ es auch Gott in dem Sinne nicht. Und Gott sei Dank kann man ihn nicht beweisen, denn dann wäre das ganze Reden von Gott unsinnig.

In religiöser Sprache heißt das „Du sollst dir kein Bild machen!“ Das heißt, jede Vorstellung von Gott ist irgendwie schon falsch. In atheistischer Sprache heißt das: Das Ganze kommt in der Welt nicht vor, es wäre aber unsinnig, es zu leugnen. Ob man es nun das Ganze, das Absolute oder Gott nennt, ist da nebensächlich.

Und das „Man kann ihn nicht beweisen, also gibt es ihn nicht“ ist so ein Stammtischsatz im pseudowissenschaftlichen Gewand. Beweisen kann man nur Sätze der Mathematik, sonst ist nichts in der Welt beweisbar, nicht mal die Naturgesetze. Die sind verlässlich, aber nicht beweisbar (Herbert Pietschmann). Wenn also Atheisten sich naturwissenschaftlich geben wollen, dann dürften sie das Wort „Beweis“ in dem Zusammenhang gar nicht in den Mund nehmen.

  1. Wer nur Naturwissenschaft als „Realität“ anerkennt, verdrängt die Wirklichkeit. „Real“ ist die dingliche, objektive Welt. Wirklich ist alles das, was wirkt. Wer sich hier ausschließlich an die Physik klammert, hat nicht begriffen, dass eben die Quantenphysik gezeigt hat, dass es eine bloß „objektive Realität“ gar nicht gibt. Die (physikalische) Welt ist immer so, wie wir hinschauen.

Natürlich wird den Religiösen immer die Aufklärung um die Ohren gehauen. Das ist aber eher ein Schuss, der nach hinten losgeht. Erstens ist das ein völlig naives Argument, denn es gibt nichts in der Welt, das nur positiv oder nur negativ wäre.  So hat auch die Aufklärung zum Segen der Menschheit mit vielem Unsinn aufgeräumt, aber andererseits das Weltbild auf Schrebergartenniveau reduziert. Es zählt nur mehr das Objektive, Gegenständliche, Reale! Und was ist mit all dem anderen? Ludwig Wittgenstein brachte es auf den Punkt: „Wir fühlen, dass selbst wenn alle möglichen wissenschaftlichen Fragen beantwortet sind, unsere Lebensprobleme noch gar nicht berührt sind.“ (Tractatus 6.52)

Wer sich nur an die Naturwissenschaft hält, die sich mit Materie in Raum und Zeit befasst (ohne sagen zu können, was Materie ist; und sie tut das auch nicht), hat damit alles Menschliche ausgeschlossen! Die Frage „Was ist der Mensch?“ versucht nämlich das gesamte Fächerspektrum – von der Physik über die Biologie und Psychologie, bis zur Philosophie und Theologie – gemeinsam zu beantworten. Am allerwenigsten aber die Naturwissenschaft, und die am allerwenigsten, wenn man die Quantenphysik außen vor lässt.

  1. Wir sind nicht vom mythologischen ins Zeitalter der Aufklärung gekommen (die steht uns eigentlich noch bevor!), sondern vom Zeitalter der Mythologie ins Zeitalter der Verdrängung. Unser Weltbild ist ungefähr um 1900 steckengeblieben. Dann kamen zwei Großereignisse, nämlich die Quantenmechanik und die Tiefenpsychologie. Aber erstere ist so unverständlich, dass sie nie in eine allgemeines Weltbild eingegangen wäre, und zu letzterer sagte Erwin Ringel: „Wir leben so, als ob das Unbewusste nie entdeckt worden wäre.“ Über weite Strecken ist das heute noch so.

Wir leben daher nicht nur in einem säkularen Zeitalter, das die Religion verdrängt hat, sondern auch in einem pseudo-naturwissenschaftlichen Zeitalter, das die Psychologie verdrängt. Das Peinliche daran: Die Psyche ist ja nicht etwas, das wir haben, sondern das wir SIND. Wir verdrängen damit unser Menschsein (siehe Wittgenstein). Wir glauben damit an „Tatsachen“, nicht daran, dass alle Tatsachen interpretiert werden (müssen). Selbst die Quantentheorie ist zwar die meist „bewiesene“ Theorie der Physik, sie muss aber interpretiert werden, und über die Deutung der Quantentheorie sind sich die Physiker auch nach 100 Jahren noch nicht einig. Außerdem: „Auch die Wissenschaft spricht nur in Gleichnissen“ (Hans-Peter Dürr). Wer auf Fakten insistiert, verdrängt, dass es bloße Fakten nicht gibt.

  1. Die Inkompatibilität der (fundamentalistischen) Atheisten und Religiösen liegt daran, dass das „Bindeglied“ fehlt oder von beiden Seiten verdrängt wird, nämlich die Psychologie. Beide lesen die Bibel, als wären das „Fakten“ (die es, wohl gemerkt, nicht mal in der Physik gibt). Mit anderen Worten: Beide Seiten lesen die Bibel wörtlich. Dazu sagt die Bibel selbst: „Der Buchstabe tötet, nur der Geist macht lebendig!“ Es geht nicht um Begriffe (die Begriffssprache ist eine neuzeitliche Erfindung), damals gab es nur eine Bilder- bzw. Symbolsprache. Während Begriffe ganz klar die (dingliche) Oberfläche von Phänomenen ausdrücken, sprechen Symbole diffus von der Ganzheit eines Phänomens auf allen Ebenen. Diese Symbole können daher historisch, psychologisch, philosophisch oder theologisch ausgelegt werden, und sie werden auf allen Ebenen stimmig sein. Und die Frage „Wie war es wirklich?“ ist eine neuzeitliche Frage, die sich vorher nie gestellt hat. Diese Frage ist eine Präzisierung, aber auch Einengung.

Wer wirklich religiös ist, liest die Bibel als seine eigene Geschichte. Er ist der Lahme, der nicht weiterkommt, der Blinde, der nicht sehen kann, der Taube, der nicht hört, er lässt sich heilen und ist in allen Episoden selbst involviert. Die Bibel ist ihm Geschichte des Menschseins mit allen Gräueln, die es auch auszeichnen. Das ist nicht „brutal“, sondern realistisch. Und es gibt in der Bibel eine menschliche Evolution, lange bevor Darwin diesen Begriff geprägt hat. Vom Ausrotten des ganzen Stammes, wenn einer daraus einen Mord beging, über das „maßvollere“ Aug um Auge bis zum „Liebe deinen Nächsten und sogar deine Feinde“. Religion wäre ohne Evolution und Entwicklung völliger Unsinn.

  1. Abgesehen davon, wie religiöse Texte zu lesen sind, nämlich in der Bilder- und Symbolsprache, in der sie damals geschrieben wurden, gibt es noch etwas anderes, das zu differenzieren wäre: Es geht gar nicht vordergründig um die Frage, ob es Gott gibt oder nicht gibt, sondern darum, dass wir sozusagen Psyche SIND und das Göttliche unbestreitbar psychische Wirklichkeit ist. In diesem Sinne kann man gar nicht leugnen, dass es Gott (als psychische Wirklichkeit) gibt.

„Der Gottesbegriff ist nämlich eine schlechthin notwendige psychologische Funktion irrationaler Natur, die mit der Frage nach der Existenz Gottes überhaupt nichts zu tun hat. Denn diese letztere Frage kann der menschliche Intellekt niemals beantworten; noch weniger kann es irgendeinen Gottesbeweis geben. Überdies ist ein solcher auch überflüssig; denn die Idee eines übermächtigen, göttlichen Wesens ist überall vorhanden, wenn nicht bewusst, so doch unbewusst, denn sie ist ein Archetypus. Irgendetwas in unserer Seele ist von superiorer Gewalt … Ich halte es darum für weiser, die Idee Gottes bewusst anzuerkennen; denn sonst wird einfach irgendetwas anderes zum Gott, in der Regel etwas sehr Unzulängliches und Dummes, was ein ‚aufgeklärtes‘ Bewusstsein so etwa aushecken mag.“ (C.G. Jung, „Über die Psychologie des Unbewussten“)

Damit ist auch klar, was der Schatten der Aufklärung oder eines pseudo-naturwissenschaftlichen Weltbildes ist: Der Mensch ist nicht nur bewusste Rationalität, sondern auch und viel mehr irrationales Unbewusstes. Wer nur auf dem Rationalen insistiert, verdrängt das Irrationale, das ins Unbewusste sinkt, und dort wirkt, bis es an irgendeiner Stelle wieder aufbricht.

  1. Damit sind wir bei der Ambivalenz, der Zwiespältigkeit oder Gebrochenheit des menschlichen Seins. Leben heißt immer Gegensatz. (Politische) Utopien sind einseitige „Vergöttlichungen“ von Idealen, inklusive Verdrängen des (dämonischen) Gegenpols. Der lässt sich verdrängen, aber nicht auf lange Sicht. Einseitige Weltbilder haben sich daher immer als gefährlich erwiesen.

„So schön und vollkommen der Mensch seine Vernunft finden darf, so gewiss darf er auch sein, dass sie immerhin nur eine der möglichen geistigen Funktionen ist und sich nur mit einer ihr entsprechenden Seite der Weltphänomene deckt. Auf allen Seiten aber liegt drum herum das Irrationale, das mit Vernunft nicht Übereinstimmende. Und dieses Irrationale ist ebenfalls eine psychologische Funktion, eben das kollektive Unbewusste, während die Vernunft wesentlich an das Bewusstsein gebunden ist.“ (C.G. Jung, ebda.)

Keine Aufklärung kann verhindern – nur verdrängen – dass das Irrationale auch im Menschen ist. Und da es über den individuellen Menschen hinausgeht, ist es schon deshalb nicht in den Griff zu bekommen. Dabei darf man auch die regulierende Funktion der Gegensätze nicht vergessen, die schon Heraklit erwähnt hat, der sagte, dass alles einmal in sein Gegenteil hineinlaufe. „So läuft die rationale Kultureinstellung notwendigerweise in ihr Gegenteil, nämlich in die irrationale Kulturverwüstung.“ Jung hat diesen Satz während des Ersten Weltkriegs geschrieben. 1925 ergänzte er in einer Fußnote: „Ich habe ihn in seiner ursprünglichen Form stehen lassen; denn er enthält eine Wahrheit, die sich noch mehr als einmal im Verlauf der Geschichte bestätigen wird.“ 1942 fügte er noch hinzu: „Wie die gegenwärtigen Ereignisse zeigen, hat die Bestätigung nicht allzu lange auf sich warten lassen. Wer will eigentlich diese blinde Zerstörung? …. Aber alle helfen dem Dämon mit letzter Hingabe. O sancta simplicitas!“

Es kann gefährlich sein, sich nur mit der Vernunft zu identifizieren, der Mensch ist nicht bloß vernünftig und wird es niemals sein, betont Jung. „Das Irrationale soll und kann nicht ausgerottet werden. Die Götter können und dürfen nicht sterben.“ Eher können und müssen wir es integrieren und auch noch unterscheiden zwischen individueller und kollektiver Psyche. Was wir heute nur an der Religion (vermittelt durch die Psychologie, ohne die Religion nicht zu verstehen ist) lernen können, ist das Auseinandergerissensein in die Gegensatzpaare, das schon Heraklit angesprochen hat. Wer das Göttliche (in seiner Psyche) verdrängt, läuft Gefahr, dass es als Dämon irgendwo wieder zutage tritt. Genau das passierte in der Aufklärung: Die einseitige Vergöttlichung von Idealvorstellungen rief den Gegensatz auf den Plan, und die Aufklärung klang aus in den Grausamkeiten der Französischen Revolution. Was von den Aufklärungsgläubigen wiederum verdrängt werden muss.

Ebenso ergeht es aber den Religiösen: Wenn sie sich an einen einseitig verklärten „Wahrheitsbesitz“ halten, dann wird der eigene Schatten immer mächtiger. Das äußert sich in Ausgrenzung und Verteufelung: die anderen sind alle Lügner, wurden oft tatsächlich ausgerottet (Albigenser, Inquisition – obwohl das das Weltliche mindestens ebenso am Werk war), in einer „Moral“, die über Leichen geht. Die Islamophobie geht heute wieder genau in diese Richtung.

  1. Fundamentalistische Atheisten verleugnen durch ihre Vergöttlichung der Ratio alles Menschliche, das auf innerer Gegensätzlichkeit, Konflikt und Entzweiung (mit sich selbst) beruht. Ihre Welt ist immer nur die halbe Welt.

Fundamentalistische Religiöse richten ihren „verklärten“ Blick auf Gott, während ihr eigener verdrängter Schatten sie unbarmherzig, kalt und empathielos macht.

Beide verkrallen sich in die Frage, ob es Gott gibt oder nicht gibt, und vergessen dabei, dass Religion in ihrem Wesen vielmehr die Frage nach dem Menschsein ist.

Diese endlosen Diskussionen belegen nur einen religiösen Analphabetismus auf beiden Seiten.