Eros und Mystik

Zwei Begriffe, die man nicht so oft in einem Atemzug erwähnt, und doch gehören sie untrennbar zusammen. Die erotische Dimension des Menschlichen ist ein zentrales Medium religiöser Sprache. Berninis Skulptur von der gottverliebten Teresa von Avila zeigt dies deutlich. „O du ruhender Gott an meinen Brüsten“, betete etwa Mechthild von Magdeburg.

Teresa von Ávila in mystischer Verzückung, Skulptur von Giovanni Lorenzo Bernini (1598-1680) in der Karmeliterkirche Santa Maria della Vittoria, Rom

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Frankfurt, 28. November 2019. Im Haus am Dom hält der Theologe Gotthard Fuchs, Experte für Mystik und interreligiösen Dialog, einen Vortrag über „Eros und Mystik“. Als Eingangszitat wählt er Ingeborg Bachmann: „In allem ist immer zu wenig.“ Um verständlich zu machen, worum es geht, zitiert Fuchs im selben Zusammenhang einen Spruch der alten Römer: „Post koitum ist der Mensch deprimiert.“ Der Orgasmus ist das Äußerste, das auch ein einfacher Mensch erleben kann, aber er lässt ihn immer etwas ratlos zurück. Vor allem, weil er nicht von Dauer ist und sein kann.

Man kann dem ein anderes Eingangszitat des Vortragenden gegenüberstellen, nämlich Nietzsche: „Wo Sehnsucht und Verzweiflung sich paaren, da entsteht die Mystik.“ Damit ist durchaus das sehnsüchtige Begehren gemeint, dem sich nur zu oft die Verzweiflung beigesellt, aber aus dieser verzweifelten Spannung kann Mystik entstehen. Mystik, wie sie hier gemeint ist, ist nicht weltabgewandt, im Gegenteil, sie entsteht und steht mitten im Leben.

Erotik, Mythos und Religion

Eros und Sex sind das wohl Ambivalenteste, das der Mensch erleben kann. Dementsprechend oszilliert die Einstellung dazu zwischen Vergöttlichung und Verteufelung. Dass die Kirche die längste Zeit Eros und Sex verteufelt hat, wirft auch der Theologe ihr vor. Sie hat damit unsägliches Leid über die Welt gebracht. Während das Alte Testament voller Erotik ist, man denke nur an das Hohe Lied mit seinen sexuellen Anspielungen, ist im NT nichts mehr davon zu finden. „Das Neue Testament meidet den Eros wie die Pest“, so Fuchs. Warum das so ist, versucht er zu erklären. Für die Griechen war Eros ein Gott und die Sexualität wurde vergöttlicht. Dem musste das NT gegensteuern, denn christlich ist es, das Thema nicht zu vergöttlichen und nicht zu verteufeln. Dass sie dann im Gegensteuern den Sex verteufelt hat, ist eine der Tragödien des Christentums.

Wer sich mit dem antiken Mythos beschäftigt, wird dem nicht ganz zustimmen können, und zwar deshalb, weil die Götter im Mythos etwas ganz anderes waren als der Gott der Juden und Christen. Es mag stimmen, weil zur Zeit der Geburt des Christentums der Mythos längst in den Logos, sprich Philosophie, übergegangen und der ursprüngliche Mythos längst nicht mehr lebendig war. Im Mythos aber sind die Götter nicht mit dem Gott der Christen vergleichbar. Sie sind das Numinose an allem Sein, also gerade nicht getrennt vom Irdischen, nicht transzendent, sondern immanent. Die Götter sind unmittelbare Erfahrung des Menschen, und „Vergöttlichung“ wäre in diesem mythischen Denken gar nicht das, was Christen darunter verstehen.

Gott ist Eros

Später versuchte Origenes, Christentum und Griechentum zu verbinden. Gott ist gleich Eros, lautete seine „Formel“. Mystik ist die Tiefe des Seins im Ganzen. Mystik ist nichts Abgehobenes, sondern verbindet die äußersten Enden des Seins und des Lebens. Das christlich Wesentliche ist die Inkarnation, das Göttliche wird menschlich und das Menschliche dadurch göttlich. Dadurch ist die Mystik dem Mythos wieder viel näher, der Menschliches und Göttliches nicht trennt. Fuchs verweist auf die Hl. Teresa v. Avila und deren bekannteste Vision, die Durchbohrung ihres Herzens, die Bernini als erotische Verzückung dargestellte, und die Teresa selbst als Verquickung von ungeheurem Schmerz und überwältigender Zärtlichkeit beschreibt: „Es ist eine so zärtliche Liebkosung, die sich hier zwischen der Seele und Gott ereignet….“

Mystische Texte sind voller Erotik, und umgekehrt: Sex hat eine mystische Dimension. Und nur weil wir geschlechtliche Wesen sind, können wir Gott lieben. Gott selbst ist Eros und Begehren. So beschreibt auch Mechthild von Magdeburg die Beziehung von Gott und Seele in durch und durch erotischen Begriffen – und zwar von beiden Seiten. Wobei Eros, röm. Amor, nicht nur der Gott mit den berühmt-berüchtigten Pfeilen ist, sondern „amor“ heißt auch „ich werde geliebt“. So könnte man Descartes‘ „cogito ergo sum“ verlebendigen als „amor ergo sum“ – „Ich werde geliebt, also bin ich“. Denn entgegen aller esoterischen Sprüche ist die Selbstliebe nicht die Voraussetzung für die Liebe, sondern das Geliebt-Werden ist Voraussetzung für die Selbstliebe und Ich-Werdung. Eine isolierte Selbstliebe käme gar nicht aus sich heraus, während das Geliebt-Werden das Ich am Du erst zum Ich macht. Was eine durchaus erotische, sexuelle und mystische Dimension hat.

Sex und Kirche

Nichts Weltliches soll vergöttlicht werden, aber Gott ist in allem. Die Materie und das Körperliche ist der Ort des Geheimnisses, ist Symbol und Sakrament. Das wäre die Botschaft des Christentums. Das ist es aber, was die Amtskirche so grundlegend missverstanden und missbraucht hat. Materie und Sex sollte man nicht über-, aber auch nicht unterschätzen, so der Tenor des Vortrags im Haus am Dom in Frankfurt. Das forderte natürlich die üblichen Fragen aus dem Publikum heraus. Vor allem, wie dieses offene Reden über Sex mit der Lehre der Kirche zu vereinbaren sei, und ob er als Theologe da nicht in Schwierigkeiten gerate? Seine durchaus überraschende Antwort: Das alles steht voll und ganz in der Tradition des Kirche. Mystiker, so Fuchs, glauben nicht an die Kirche, sondern „mittels, dank und trotz der Christentums“. Die Kirche sei „ein Sauladen mit Goldschätzen“. Und auf die Frage, wie das mit Rom zu vereinbaren sei, zitiert Fuchs einen französischen Theologen: „Die Kurie ist doch nur eine Warze im Gesicht der Kirche.“ Kirche ist nicht die Kirche der Mitra, aber sie verwaltet Schätze, die wir ohne sie gar nicht hätten.

Mystik: Gottesnähe und Gottesferne

Aber wenn wir den Faden bei Teresa von Avila wieder aufnehmen: Sie erlebte auch die extreme Gottesferne und hat diese Nacht der Mystik als erste beschrieben. Da war nichts mehr, kein Glaube, keine Hoffnung, keine Liebe. Und so nebenbei: Dass man Mutter Teresa wegen ähnlicher Zustände so abwertet und von außen beurteilt, ist lächerlich. Das kann sogar eine Hochform der Mystik sein. Erst wenn man auch diese totale Negation lieben gelernt hat, diese Gottesferne und Fremde Gottes, die Innigkeit und Tiefe der Gottlosigkeit, wie es Teresa beschreibt, erst dann kann man von erwachsener Religion sprechen. Die kann und muss alles einbeziehen: alle Höhen und Tiefen, Gottesnähe und Gottesferne, Geistiges und Körperliches. Teilhard de Chardin sprach von der Amorisation der Materie.

Simone Weil schreibt 1996: „Mystikern vorzuwerfen, sie liebten Gott mit der Kraft der sexuellen Liebe, das ist so, als würde man einem Maler vorwerfen, Bilder mit Farben zu malen, die aus materiellen Substanzen bestehen. Wir haben nichts anderes, womit wir lieben können. Übrigens wäre es genauso möglich, einem Mann, der eine Frau liebt, denselben Vorwurf zu machen.“

 © RH

Mit der Seele auf Du

Das Rote Buch von C.G. Jung beginnt damit, dass er seine Seele als Person anspricht, vom Geist der Tiefe dazu aufgefordert. Sie tritt ihm, verloren gegangen, wieder entgegen. Dasselbe finden wir im Yoga, im Tantra und in jeglicher Mystik.

In seiner Biografie „Erinnerungen, Träume Gedanken“ berichtet Jung, dass er sich schon als Jugendlicher als zwei Personen erlebt hat, die er auch zunächst als Person 1 und Person 2 bezeichnete, später dann als Ich und Selbst. Das eine ist das bewusste Ich, das andere ein Übergreifendes, Wissendes, „eines kollektiven Geistes, dessen Lebensjahre Jahrhunderte bedeuten“. … „Nr. 2 war in der Tat ein ‚Gespenst‘, das heißt, ein Geist, der an Macht dem Weltdunkel gewachsen war.“(1) Das ist auch ein Beispiel dafür, dass ein dualistisches und monistisches Weltbild nicht gegeneinander ausgespielt werden sollten, sie gehören als Gegensätze komplementär zusammen. Wer sich nicht als gespalten erlebt, kann zu keiner Vereinigung kommen, die Jung dann Individuation nennt.

Das Unbewusste tritt uns in vielen Aspekten und Gestalten entgegen, als innere Bilder und Stimmen, und es ist nicht entscheidend, ob wir sie als „innerpsychisch“ oder als eigenständige „Geister“ bezeichnen. Es geht in der Psyche nicht um eine Außenwelt, sondern um die Innenwelt, aber als Welt ist sie – dem Ich gegenüber – wieder so etwas wie eine (dem Ich) äußere und objektive Welt. Es geht darum, sich diese zunächst fremden inneren Aspekte vertraut zu machen. Dabei verhalten sich Archetypen immer auch wie eigene Entitäten mit eigenem Bewusstsein und Wissen, das weit über das Ichbewusstsein und dessen Wissen hinausgeht, und sogar in einem kollektiven Wissen der Menschheit mündet.

Seelisches Erleben ist daher zunächst eine Begegnung mit etwas Fremdem, Eigenständigem, beinahe Persönlichem, das erst nach und nach in einem Prozess der Individuation assimiliert und integriert werden kann. Erst die Vereinigung der Gegensätze (männlich – weiblich, oben – unten) führt zum Einheitserleben des Selbst.
Die Auseinandersetzung mit dem Unbewussten, mit der eigenen Psyche ist zudem eine Gratwanderung zwischen Psychose, Paranoia oder wie immer man das bezeichnen will, und dem bewussten Erleben einer inneren, und doch anderen Welt des Numinosen. So beginnt Jung am Anfang des Roten Buches mit seiner Seele zu reden. Philemon, sein innerer Guru (wie ihm später ein Inder erklärt), bringt ihm bei, „dass es Dinge in der Seele gibt, die nicht ich mache, sondern die sich selber machen und ihr eigenes Leben haben“.(2) Mit anderen Worten: Es gibt eine psychische Objektivität, eine Wirklichkeit der Seele.

Die innere gegengeschlechtliche Ergänzung
Die Auseinandersetzung mit der inneren Welt ist komplex (Persona, Schatten, Anima/Animus, der Held, der/die Alte Weise…). Die Seele als das noch unbekannte Andere ist aber als solche gegengeschlechtlich. So muss der Mann mit seiner inneren weiblichen Seite in Kontakt kommen, die Frau mit ihrer inneren männlichen Seite. Dieser eine Aspekt ist wieder komplex. Archetypen sind mehrdimensional, haben eine Bedeutung auf allen Ebenen. So ist auch die Anima (und der Animus) nicht eindeutig, sondern vielschichtig. Wie alle archetypischen Bilder hat sie ein breites Bedeutungsspektrum, wie alles Lebendige.

Schon bei der ersten Begegnung mit der Anima in der Mutter geht es um einen komplexen Menschen. Dieses Bild setzt sich fort in der Partnerin, die dem inneren Bild der Anima mehr oder weniger entspricht oder entsprechen sollte. Was diesem Bild nicht nahekommt, projizieren wir. Wobei Projektion nichts Negatives ist, innen und außen sind nicht zu trennen. Wir haben ein inneres Bild vom Partner (das Bild der eigenen Seele, der Anima, des Animus), und wenn der/die Geliebte dem nahekommt, dann fühlen wir uns vertraut und „seelenverwandt“. Es bleibt aber immer auch Fremdes und das wird zur Lebensaufgabe. Im Idealfall wachsen das innere Bild und die äußere Person zusehends zusammen, wobei sich beide wandeln.

Das Spektrum des Weiblichen / Männlichen
Wie auch das Männliche umfasst der Archetypus des Weiblichen ein enormes Spektrum. Zumeist ist das keine Einheit, sondern gespalten in hellere und dunklere Seiten oder Aspekte. Jung spricht auch von der Zweideutigkeit der Anima. Wir kennen das vom Mythos der Hure und der Heiligen. Der Mann, der das klassisch nicht zusammenbringt, sucht das eine im Bordell und das andere in der Ehe. Wobei sich so die Frau nicht als Frau gesehen fühlt, außer sie identifiziert sich auch nur mit dem hellen Teil und verdrängt das Dunkle in sich. Dieses Dunkle ist ja nichts Negatives, sondern der eine, basale Teil des animal rationale, das der Mensch ist.

Der Mann, der sich selbst und seine seelische Bandbreite einigermaßen kennengelernt hat, wird auch in seiner Partnerin dieses Spektrum schätzen. Bei einem Mann, der seine Frau „vergöttert“, kann eine Frau auch ihre dunkle Seite leben. Wenn beide das ganze Spektrum leben können, dann ist das Animalische nicht mehr negativ und das Engelhafte oder Göttinnenhafte nicht mehr abstrakt. Beides kann ins Liebes- und Lebensspiel eingebunden und verbunden werden. Es kann dadurch nicht nur zur Vereinigung von Männlichem und Weiblichen (äußerlich und innerlich), sondern auch von oben und unten kommen. Das Animalische und das Göttliche verlieren ihren Charakter der Ausschließlichkeit, sondern ergänzen sich komplementär.

Über die Zeit seiner Auseinandersetzung mit dem Unbewussten sagt Jung: „Damals stellte ich mich in den Dienst der Seele. Ich habe sie geliebt und habe sie gehasst, aber sie war mein größter Reichtum. Dass ich mich ihr verschrieb, war die einzige Möglichkeit, meine Existenz als eine relative Ganzheit zu leben und auszuhalten.“(3) Der Gegensatz zwischen Bewusstsein und Unbewusstem, zwischen äußerer und innerer Welt, die Zweideutigkeit der Anima sind die Voraussetzung für das Erleben der Ganzheit.

Anima und Shakti
Jung hat sich mit antiken, aber auch sehr viel mit asiatischen Kulturen beschäftigt, weil er Ähnliches in den Träumen seiner KlientInnen gefunden hat. Im Yoga, Buddhismus oder Tantra finden sich Elemente, die genau den Archetypen Jungs entsprechen. Dort sind Philosophie und Psychologie nicht so getrennt wie bei uns im Westen. So ist die Bandbreite des Seelischen dort selbstverständlich. Die Gottheiten sind weniger abstrakt als psychisch zu verstehen, es gibt meist einen „positiven“ und einen „negativen“, einen lieblichen und einen schrecklichen Aspekt. Die männlichen Gottheiten werden mit ihrer Shakti (ihrem weiblichen Aspekt, welcher der Anima entspricht) dargestellt, und die (männlichen wie weiblichen) Gottheiten haben auch meist zwei gegensätzliche Aspekte. Am augenfälligsten ist der schreckliche Aspekt der Kali, die blutrünstig mit Totenkopf-Girlande um den Hals dargestellt wird. Aber auch dieser Aspekt ist nicht bloß „negativ“. Es ist der zerstörerische Aspekt, aber als Zerstörer der (Ich-)Illusion ist dieser Aspekt schon wieder positiv. Außerdem sind Werden und Vergehen beide notwendig für das Weltgeschehen. Da ist jedenfalls mehr Psychologie drin als in so mancher westlichen Psychologie.

Besonders augenfällig ist dieses Spiel von Männlich und Weiblich im Tantra. Der ist zwar im Westen zum vorwiegend sexuellen Spiel degeneriert, wie alles, was von Asien in den Westen kommt, aber ursprünglich geht es um die Auseinandersetzung mit der eigenen gegengeschlechtlichen Seite, also der Seele als der inneren Göttin. Es ist dabei nicht so wesentlich, ob das mit oder ohne konkrete Partnerin geschieht. Die tantrischen Mystiker leben mit ihrer inneren Göttin eine beinahe reale Beziehung. Wenn sie eine Partnerin haben, dann sehen sie auch in dieser die Shakti, die innere Göttin, und sie wird dieser auch immer ähnlicher.

Dazu ist die Annäherung der Projektion der Anima und der konkreten Partnerin, wie oben beschrieben, quasi eine Vorstufe. Wenn C.G. Jung seine Seele als Person anspricht, dann ist das nicht viel anders. Das bewusste Ich tritt in Verbindung mit der bislang unbewussten Anima, die einen viel weiteren und tieferen Horizont hat als das bewusste Ich. In der Sprache des Tantra tritt der Mystiker in Beziehung zu seiner inneren Göttin, wobei „innen“ oder „jenseitig“ nur verschiedene Ausdrucksweisen sind, die durchaus gleichbedeutend nebeneinanderstehen können.

Der erotische Aspekt des Spirituellen
Das wirft auch ein ganz anderes Licht auf die Begegnung von Mann und Frau, die immer auch eine Begegnung mit dem eigenen gegengeschlechtlichen Seelenanteil ist. Letztlich geht es darum, Abgespaltenes und darum Fremdes wieder hereinzuholen. Dadurch wird wiederum die Sexualität eine viel weitere Bandbreite erhalten, wird seelische Begegnung mit körperlichem Ausdruck sein. Die Vereinigung wird auch Vereinigung der Pole im Außen und Innen, und auch von Unten und Oben sein. Es wird ein Spiel zwischen Vertrautem und Fremden, dem Seelenverwandten und dem ganz Anderen. Auch zwischen Erfahren und Lernen, das nie an ein Ende kommen wird.

Da die Anima aus den Tiefen des Unbewussten kommt, tritt sie dem Mann auch als die Sophia oder Weisheit entgegen. Und da sie auch die dunklen Aspekte umfasst, muss der Mann diese nicht länger abspalten. Der erotische Aspekt ist vom spirituellen nicht zu trennen. Der tantrische Mystiker hat eine durchaus erotische Beziehung zu seiner inneren Göttin, die wiederum nicht verehrt oder angebetet (was eine gewisse Distanz voraussetzt), sondern geliebt werden will.

(1) C.G. Jung: Erinnerungen, Träume Gedanken, Patmos Verlag, 19. Aufl. 2016, S 108 f.
(2) Erinnerungen, S 204
(3) Erinnerungen, S 214