Projektionen rund um das Kopftuch

Obwohl die Psychologie des 20. Jahrhunderts kaum Spuren in den Köpfen der Gegenwart hinterlassen hat, ist doch vielen bewusst, dass die Fehler, die man an anderen abscheulich findet, meist die eigenen sind. Und dass man diese Tatsache Projektion nennt. Derzeit kann man wunderschön kollektive Projektionen beobachten, nämlich in der völlig unnötig hochkochenden Kopftuchdebatte.

Wer sich am Begriff „Islamophobie“ stört, kann auch das als kollektive Projektion sehen. Wer sich betroffen fühlt, ist der Projektion erlegen, denn die den Begriff verwenden, heißen nicht generell alles gut (sind also keine „Gutmenschen“), sondern tolerieren den Islam als Religion. Den Islamismus, Terrorismus und politischen Islam verurteilen sie genauso. Aber wer so projiziert, ist nicht mehr imstande, Fakten zu sehen – obwohl er immer den Begriff „Fakten“ im Mund führt.

Ein Lehrbeispiel ist der ominöse Kopftuch-Sager von Bundespräsident Alexander van der Bellen. Er wehrte sich dabei in einer Fragebeantwortung gegen die religiöse Überfrachtung (Projektion!) des Kleidungsstücks und meinte dann, wenn das so weiterginge (mit der kollektiven Projektion), dann müsse man irgendwann alle Frauen auffordern, Kopftuch zu tragen – aus Solidarität. Um das zu verdeutlichen, wies er darauf hin, dass in Dänemark die Menschen Judensterne trugen, aus Solidarität mit den Juden und um deren Deportation zu verhindern. Das ist KEIN Vergleich mit dem Antisemitismus, sondern ein Vergleich mit der Haltung der Solidarität, die damals die Menschen bewegt hat. Das zu unterscheiden überfordert anscheinend viele.

Für alle, die eine Übersetzung brauchen: BP VdB meinte, dass das Kopftuch ein Kopftuch ist. Und wenn es weiterhin für Projektionen missbraucht wird (von Inländerseite), dann braucht es drastische Bekundungen der Solidarität mit den Frauen, die aus verschiedensten Gründen Kopftuch tragen.

Es geht nicht an, eine Kultur unter Generalverdacht zu stellen, die Frauen zu unterdrücken. Fakt ist nur, dass es diejenigen, die wir unter dem Begriff „Islamisten“ zusammenfassen, tatsächlich tun. Das ist ein Missbrauch des Kopftuchs, der Frauen und des Islam!

Fakt ist auch, dass viele Musliminnen kein Kopftuch tragen. Auch unter diesen wird es solche geben, die sich unterdrückt fühlen, und solche, die es nicht tun. Fakt ist, dass viele Musliminnen es aus Gründen der eigenen Identität (die kann religiös begründet sein oder auch nicht), der Abgrenzung, des Protests oder was auch immer, tun. Und wer Augen hat, wird feststellen, dass es Musliminnen mit (sehr modischen) Kopftüchern gibt, die darunter hinaus sehr körperbetonte Kleidung tragen. Da sollte einem Inländer aufgehen, dass es sich einfach um eine andere Kultur und einen anderen Blick handelt.

Was hinter den Unterstellungen liegt

Wenn wir weggehen von der vordergründigen Argumentation, die in der Debatte immer etwas unterstellt (religiös, nicht religiös, Unterdrückung oder nicht…..), dann geht es ganz allgemein um das Thema Individuum und Gesellschaft oder Gemeinschaft. Der Mensch kommt aus der Symbiose (Mutter-Kind), entwickelt ein Ich (immer gegen Widerstände), schließt sich Gruppen an, und in dieser wechselhaften Alternative entwickelt er sich zum Individuum. Gruppen geben immer etwas vor, das reicht von harmlosen Zeichen der Mitgliedschaft bis zum Zwang und zur Unterdrückung. Ich-Bildung ist immer emanzipatorisch, will Unabhängigkeit von äußeren Vorgaben oder Zwängen. Das passt letztlich nie zusammen.

Religionen sind eigentlich Wege zur Selbständigkeit und Freiheit („Zur Freiheit hat euch Christus befreit“), das kann man theologisch begründen, führt hier aber zu weit. Die Kirchen haben außerdem dieser Befreiung meist zuwider gehandelt und erdrückende Auflagen entwickelt, die der eigenen Religion widersprechen. Das ist im Islam so wie im Christentum.

Viele entfliehen dem in eine säkulare Gesellschaft, glauben sich allein dadurch unabhängig – und erliegen neuen Zwängen (Markt, Wachstum, Ideologien, Geltung, Gruppenzwängen). Was anderes ist z.B. (um nur ein harmloses Beispiel zu nennen) die Mode? Es ist zwar ein subtilerer Zwang, aber es ist de facto Zwang. So ist der Minirock oder die Bauchfreiheit genauso Symbol der Unterdrückung wie das Kopftuch! Es steht ja auf dem frei liegenden Nabel nicht geschrieben, ob die Trägerin es aus Überzeugung tut oder weil sie es einfach schön findet, oder ob sie es tut, weil sie dem subtilen Zwang der Mode folgt und sich nicht getraut, dem etwas Eigenes entgegenzusetzen.

Theoretisch ist es leicht, sich dem Zwang der Mode zu entziehen, aber das setzt Ich-Stärke voraus. Praktisch handelt man sich durch diese Ich-Stärke ein Außenseitertum ein, das oft schwer zu ertragen, im Umkreis der Pubertät fast unmöglich ist. (Ist für Männer übrigens nicht anders). Tragischer wird es bei den buchstäblich beherrschenden Körperbildern. Dort endet es im Pathologischen (Diätwahn, Bulimie, „Schönheits“-OPs, von denen keine Körperregion verschont bleibt). Das Thema ließe sich endlos fortsetzen – aber bei uns gibt es ja keine Unterdrückung der Frau!

Mit anderen Worten: Wir fordern (in der unseligen Kopftuch-Debatte) von anderen die Emanzipation, für die wir selber zu schwach sind. Wir geben vor, für die Freiheit der anderen (der Musliminnen) zu kämpfen, für die zu kämpfen wir selbst zu feig sind.

 

Wer am meisten anfällig für Projektionen ist

Diese Projektionen vorausgesetzt ist es auch mehr als verständlich, dass vor allem diejenigen aggressiv gegen das Kopftuch sind, die hinter ihrem rechten Macho-Gehabe kein eigenes Ich entwickelt haben und sich in der Kollektivität einer Burschenschaft, der FPÖ, PEGIDA, AfD, Front National, und wie sie alle heißen, verstecken müssen. Wer keine Ich-Stärke entwickeln konnte, fühlt sich durch alles Fremde (vor allem das Fremde in sich selbst, denn um das geht es eigentlich) bedroht. Der muss sein zartes Ich schützen, so wie in den Schrebergärten sogar einzelne Tulpen mit Plastikzäunen „geschützt“ werden. Der braucht die Nationalität, um sein Ich-Vakuum zu füllen. Der braucht Zäune, um ein Ich vorzutäuschen.

Was uns hier als Heimat- und Nationalbewusstsein verkauft wird, und womit Stärke vorgetäuscht wird, ist pure Existenzangst. Vergleichbar dem Gefühl eines Neugeborenen, das sich plötzlich dem grellen Licht dieser Welt ausgeliefert fühlt, und das am liebsten wieder in den Mutterleib zurückkriechen würde. Es muss aber den oft rauen Weg der Ich-Bildung und Selbstfindung gehen, der in der Pubertät in eine Krise gerät, die aber in die Selbständigkeit führen sollte. Rechte Gemüter sind in dieser pubertären Krise steckengeblieben und weigern sich, selbständig zu denken. Sie suchen Schutz im Mutterleib von Kollektiven wie Burschenschaften, Parteien usw., die vorgeben, für den Schutz des kaum vorhandenen Ichs zu kämpfen.

Dass deren Führer nur das eigene, kaum vorhandene Ich ummauern wollen, bleibt unbewusst. Sie lehnen die EU z.B. ab, weil sie darin nur das Europa der Projektionen sehen können. Hätten sie genügend Ich- und Selbstbewusstsein, würden sie Europa nicht als Bedrohung (ihres zarten Ichs) sehen, sondern als mögliche Stärke der Gemeinsamkeit. Dann würden sie die zweifellos vorhandenen Schwächen dieser Gemeinschaft beseitigen und verbessern wollen, statt sie bloß zu bekämpfen. Dann würden sei an einem gemeinsamen Haus (in dem alle ihre individuellen Räume bewohnen können) bauen, statt das gesamte Gebäude niederreißen zu wollen.

 

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FAIRTHERAPY: Zugang zur Psychotherapie für Traumatisierte

Gerade diejenigen, die eine Psychotherapie am notwendigsten brauchen, können sich diese meist nicht leisten. Die Lösung: FAIRTHERAPY: Wer hat, gibt. Wer braucht, nimmt. Ressourcenrochade oder das Perpetuum mobile der seelischen Gesundheit.

Traumatische Ereignisse oder Lebenssituationen können derart stark in die Persönlichkeit eingegraben sein, dass sie das gegenwärtige Leben bestimmen oder einschränken und belasten, ohne dass der Zusammenhang bewusst sein muss. Das kann so massiv und belastend sein, dass alltägliche Situationen nicht bewältigt werden können.

In unserer gespaltenen Welt können sich gerade diejenigen, die sie am notwendigsten brauchen, eine Psychotherapie meist nicht leisten. Das Problem ist bekannt. Die Lösung hat lange auf sich warten lassen.

Perpetuum mobile der seelischen Gesundheit
Dr. MMag. Ilse Behensky, Psychologin, Psychotherapeutin, Traumaspezialistin, gründete 2012 den Verein FAIRTHERAPY®. Die Idee dahinter ist, dass genügend Ressourcen vorhanden sind. FAIRTHERAPY ist eine Plattform, die Psychotherapie, psychologisches Know-How, Fähigkeiten, ideelle und materielle Werte in einen Austausch bringt, sodass alle einen Nutzen davon haben. Das nennt sich Ressourcenrochade. Oder Vision des sozialen Ausgleichs auf Augenhöhe.

Wer braucht, nimmt..
Im Rahmen eines ersten Pilotprojekts „Traumatherapie 3“ finanziert FAIRTHERAPY je 40 Einheiten Psychotherapie für drei Menschen, die ein Trauma erlitten haben und sich die notwendige Behandlung nicht leisten können. Die finanzielle Unterstützung wird nach Einkommenslage gestaffelt. Die Klientinnen und Klienten können, wenn sie wollen, gemäß ihren Kräften die Therapiekosten teilweise oder zur Gänze durch Mitarbeit in Projekten oder durch Rückzahlung zu einem späteren Zeitpunkt ersetzen.

Wer hat, gibt…
Wenn diejenigen, die haben, etwas geben, dann können diejenigen, die nicht haben, aber etwas brauchen, nehmen. Das Prinzip ist alt, funktioniert aber selten. Es geht einfach um Solidarität, und es ist erstaunlich, aber doch nicht ganz unlogisch, dass gerade in der heutigen Zeit abnehmender Solidarität ein solches Projekt begonnen und konkretisiert wird.

… und wie steht’s mit unserer Solidarität?
Funktionieren wird das nur, wenn viele mitmachen. Der Möglichkeiten gibt es viele:

1. Der süßeste oder duftende Weg: Der Kauf von FAIRTHERAPY Schokolade und FAIRTHERAPY-Aromaöl. Die Firma Zotter hat für FAIRTHERAPY eine eigene Schokolade kreiert: dunkle Schokolade mit Himbeerfülle, gesüßt mit Agavensaft und Rohrohrzucker. Die Schokolade ist im Direktverkauf um EUR 4,50.- bei FAIRTHERAPY erhältlich, EUR 1,50.- gehen an FAIRTHERAPY (Im Handel ist sie nicht erhältlich.)
FAIRTHERAPY-Aromaöl „Saphira“, kreiert von Peter Gstettner, hebt die Stimmung und macht heiter, löst, lindert und reinigt körperlich und seelisch, gibt Durchhaltevermögen und Beharrlichkeit, vertieft Ruhe und Sicherheit und verströmt einen weichen wunderbaren Duft. EUR 10,- als Duftöl, 14,- als Duftspray (davon gehen 2,-/3,- an FAIRTHERAPY).
FAIRTHERAPY-Produkte können in der Praxis in der Beckmanngasse 74, 1120 Wien, gekauft werden (Montag bis Mittwoch und Freitag, am besten kurzer Anruf), über das FAIRTHERAPY Vereinsbüro (e-mail: office@fairtherapy.at oder Telefon/SMS (0680/133 0655), bei allen FAIRTHERAPY-Veranstaltungen, im Versand über Balance Life oder im Gasthaus Assmayer (1120 Wien, Klährgasse 3).

2. Mitgliedschaft: Regelmäßige Beiträge sind eine große Hilfe beim Kalkulieren. Jahresbeitrag: EUR 25,-, Förderbeitrag: EUR 50,-, großer Förderbeitrag: EUR 100,-

3. Spende: einmal oder regelmäßig. Jeder Betrag hilft, die Idee von FAIRTHERAPY zu verwirklichen.

4. Koopoeration: Verbindung eines Produkts mit FAIRTHERAPY.

5. Ideen und Engagement: Hilfe bei der Suche nach Kooperationspartnern, Förderern, Geldmitteln usw.
Das Konzept ist dermaßen ambitioniert, dass es sich – mit der Hilfe vieler – wie ein Lauffeuer verbreiten könnte.

Infos, Ideen: office@fairtherapy.at
Homepage: http://www.fairtherapy.at

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