Ewald Stadler: „Glauben ist keine Privatsache“

Nachdem Ewald Stadler schon zwischen eingen (rechten) Parteien hin und her gependelt ist, hat er nun eine eigene Partei, die REKOS (die Reformkonservativen) gegründet und tritt mit dieser zur Europawahl an. Der Zeitschrift „Das Biber“ gab er ein Interview über seine religiösen Ansichten.

Glauben mag keine Privatsache sein, aber auch nicht etwas, das man den anderen so penetrant aufzwingen muss.
Aber wenn schon so öffentlich, dann hat Ewald Stadler auch eine Antwort verdient. Es lohnt sich bei jeder einzelnen Frage! Man muss es ja nicht so bitter ernst nehmen wie Herr Stadler.

 Interview:

Der Rekos-Spitzenkandidat Ewald Stadler ist ein strenggläubiger Christ. Deswegen will er alle österreichischen Moslems zum Christentum bekehren – Den Anfang macht er mit unseren zwei Redakteuren.

Von Dudu Gencel, Amar Rajkovic und Susanne Einzenberger
und kommentiert von Robert Harsieber

 Biber: Wofür steht ihre jetzige Partei „Rekos“?
Ewald Stadler: Die REKOS (Reformkonservativen) stehen für christliche Werte. Ohne das Christentum hätte es in Europa keine kulturelle Blüte gegeben. Das soll man nicht wegleugnen, wie es die Europäische Union versucht.

In der Zeit der Hochblüte Andalusiens hat Europa allerdings einige Nachhilfestunden von Moslems bekommen. Nachsitzen in Sachen Philosophie (Aristoteles) und Wissenschaft (Mathematik, Algebra, Medizin, Architektur usw.). Wer weiss, vielleicht schafft Europa noch die Matura / das Abitur und erinnert sich so nebenbei auch an die frühe Unterstützung.

 Sind Sie streng gläubig?
Was heißt „streng gläubig“? Ich versuche meinem katholischen Glauben in der Praxis nachzukommen, mehr schlecht als recht. Deswegen gibt es bei uns das Bußsakrament, um immer wieder mit dem lieben Gott neu anfangen zu können.

Mehr schlecht als recht – da hat er Recht! Da kann man ihm beim besten Willen nicht widersprechen. Nicht wenn man seine Antworten liest. Und gegen das Bußsakrament scheint er schon immun zu sein.

Wie steht es um Andersgläubige und Ungläubige?
Den Unglauben lehne ich zutiefst ab. Das Verhältnis zwischen Katholiken und Andersgläubigen ist traditionell als das Verhältnis zwischen Wahrheit und Irrtum definiert worden. Jeder hat das Recht zu irren. Es ist Aufgabe des Katholiken auf den Irrtum hinzuweisen.

Gott fragt Ewald Stadler, was er zutiefst ablehnt – und bemerkt, dass er die Bibel revidieren muss. Das Verhältnis von Wahrheit und Irrtum geht leider auch quer durch das „Christentum“. Es ist Aufgabe des Katholiken (seit dem Konzil ganz besonders), seinem eigenen Irrtum nachzuspüren. Aber natürlich hat jeder das Recht auf seinen eigenen Irrtum – auch ein Ewald Stadler.

Es gibt Studien, die besagen, dass 50% der Österreicher Atheisten sind. Ist ihre Weltanschauung nicht überholt?
Ich sage Ihnen, dass ich auf diese Studien pfeife, weil Gott nicht davon abhängt, ob eine Studie beweist, dass 50% der Österreicher Atheisten sind. Gott bleibt ewig. Ewig, wie er war und wie er sein wird.

Schon gut, aber er ist nicht nur ewig, sondern auch barmherzig. (Das Wort für „Barmherzigkeit“ ist im Hebräischen übrigens auch das Wort für „Mutterschoß“ – soviel zum „männlichen“ Gott der Bibel, dessen Eigenschaften mehr weiblich als männlich sind, aber das ist ein anderes Thema).

Kann dieser besagte Gott auch neben anderen Göttern leben?
Nein. Da ist er sehr eifersüchtig. Das sehen Sie gleich schon im ersten der zehn Gebote: „Du sollst keine Götter neben mir haben.“

Ganz besonders peinliche Antwort! Stadler redet auf der Ebene von Göttern (was biblisch Götzen entspricht) und nicht von dem einen Gott, von dem alle reden, die von einem Gott reden, ob sie ihn nun Gott oder Allah oder Brahman oder sonstwie nennen. Wenn Stadler seinen Gott neben die anderen stellt, dann ist er ein Polytheist.

In Österreich sind 5% der Bevölkerung Moslems. Es gibt im ganzen Land aber nur drei Moscheen mit Minaretten. Ist das nicht zu wenig?
Nein. Es wäre unsere Aufgabe mit diesen 5% in einen ehrlichen religiösen Dialog zu treten, um ihnen das Heil zu vermitteln, d.h. um ihnen die Wahrheit Gottes zu übermitteln.

Bitte verschont unsere muslimischen Nachbarn mit der Wahrheit Stadlers. Die würde sie entweder fanatisieren oder zu Atheisten werden lassen – oder kalt lassen, was noch am besten wäre. Aus einem ehrlichen religiösen Dialog müsste sich vor allem Stadler raushalten.

Also sie zu konvertieren?
Ja – um sie zur Konversion zu bringen. Wieso schicken wir sonst Missionare nach Afrika? Bei uns tun wir so, als ob der Islam die gleichwertige Wahrheit wie die katholische Kirche vertrete. Das ist nicht der Fall.

An „religiöser“ Arroganz nicht zu überbieten! Wer die Wahrheit hat, entscheidet – Gott sei‘s gedankt – nicht Ewald Stadler. Abgesehen davon, dass man wohl kaum im Besitz der Wahrheit sein kann. Auch wenn Christus „der Weg, die Wahrheit und das Leben“ ist, „haben“ Christen deswegen noch lange nicht die Wahrheit. Selbst die Apostel, die drei Jahre mit ihm waren, haben ihn nicht erkannt. Aber Bescheidenheit war nie des Stadlers Zier.

Sie sprechen viel von Religion und Glauben, von der christlichen Erlösung und Jesus Christus. Hat der Glauben überhaupt was in der Politik verloren?
Glaube und Staat haben notgedrungen etwas miteinander zu tun. Der Staat ist verpflichtet nach den Vorgaben der Bibel nichts zu tun, was das Heil der Menschen gefährdet. Umgekehrt ist die Kirche verpflichtet auf den Staat einzuwirken, dass das Heil der Menschen gewahrt bleibt. Das können Sie an keinem Problem so deutlich machen, wie an der Abtreibungsfrage.

Der Staat ist verpflichtet, die Rahmenbedingungen für alle zu schaffen (das inkludiert auch die Moslems im Staat). Die Kirche hat die Aufgabe, nicht sich einzumischen, sondern zu mahnen, auf offensichtlich Unethisches hinzuweisen. Und der Staat hat nicht Ideale zu vertreten (das hat noch immer zu blutigen Revolutionen geführt), sondern die nächsten Schritte zum relativ Besseren einzuleiten.

Warum erwähnen Sie immer wieder die Abtreibung? Ist das so ein großes Thema?
Weil es ein zentraler Punkt ist. Ich glaube, dass das einer der größten Wunden ist, die wir derzeit in den westlichen Gesellschaften haben. Dass wir die Tötung eines Ungeborenen und damit eines ungeschützten wehrlosen Menschen zulassen.

Sicher ein wunder Punkt. Aber das Gesetz ist ohnehin eindeutig: Abtreibung ist verboten, wird aber in den ersten drei Monaten nicht strafverfolgt. Aufgabe des Staates wäre es, den Betroffenen zu helfen – und bleibt da viel schuldig.

Sie haben im Interview mit der Tageszeitung „Die Presse“ gesagt, dass Ärzte dafür strafbar gemacht werden sollen und Müttern geholfen werden soll. Wie kann man einer Mutter helfen, die das Kind per se nicht austragen möchte?
Das ist nicht der Regelfall. Die überwiegende Zahl der Frauen, die eine Abtreibung in Erwägung zieht, ist in einer Notsituation. Zum Teil Druck aus dem Elternhaus, vom Ehepartner, vom Freund, monetärer Druck durch fehlendes Einkommen, sozialer Druck durch beengte Wohnverhältnisse. Da hätte der Staat die Aufgabe zu helfen, anstatt die Abtreibung anzubieten. Nur ein verschwindend geringer Teil der Frauen ist willens ihr Kind umzubringen. Viele Frauen wären froh, wenn ihnen geholfen würde.

Der Staat wäre verpflichtet Lösungen anzubieten. Alles andere hängt an der Frage, wann Leben beginnt. Und die kann niemand wirklich beantworten. Da sollte natürlich noch viel diskutiert werden, aber auf dieses Niveau begibt sich Herr Stadler nicht.

Was ist aber bei Vergewaltigungen? Gibt es dafür Ausnahmen?
Das ist aber der Extremfall, das ist kein Regelfall. Letztendlich ist es die Entscheidung der Frau, die sie dann auch vor Gott verantworten muss. Aber auch da gibt es Hilfe. Diese Hilfe fehlt aber im Moment. Die Hilfe wurde seinerzeit versprochen, aber ist bis heute nicht gekommen. Das ist ja auch der Grund des Stillhaltens durch den Kardinal König seinerseits bei Einführung der Abtreibung. Man hat umfangreiche Hilfe versprochen, aber nichts davon wurde eingeführt. Die Frauen sind allein gelassen. Das ist ein Verbrechen. Wir machen uns damit indirekt mitschuldig an der Kindstötung, weil wir die Frauen im Stich lassen. Das ist ein Vorwurf, den sich der Staat von der Kirche gefallen lassen müsste und die Kirche hätte das Recht jeden Tag diesen Vorwurf zu erheben. Beide tun es nicht.

Auf den Extremfall geht er nicht wirklich ein. Komischerweise lässt sich nicht mal die Kirche von Herrn Stadler vorschreiben, was sie zu tun hat. Woran das wohl liegt? Und wenn die Kirche hier überraschend vernünftig agiert, dann wird ihr das natürlich von Stadler vorgeworfen. Es gibt doch keinen einleuchtenden Grund, warum sich die Kirche nicht Herrn Stadler unterwerfen sollte.

Deswegen ist der Glaube auch so wichtig?
Das ist ein Beispiel, wo Staat und Kirche zusammenzuwirken hätten. Deswegen ist es für mich eine Häresie (Ketzerei) zu sagen, da ist der Staat und da ist die Kirche. Die haben sozusagen zwei getrennte Supermärkte – der eine bietet Brot an, der andere nur Fleisch. Das ist einfach ein Blödsinn. Es gibt seit Augustinus eine klare Vorstellung davon, wie Staat und Kirche zusammenzuwirken haben. Früher hat man das die zwei Schwertertheorie genannt – das weltliche Schwert und das geistliche Schwert. Die Vorstellung der Trennung von Staat und Kirche ist eine Vorstellung des Laizismus und des Säkularismus der französischen Revolution. Davor hat es das nicht gegeben.

Wenn Stadler klare Vorstellungen hat, dann wird’s brenzlig. Noch weiter davor, also bei Jesus selbst, hat es diese Trennung  nicht gegeben. Augustinus war 400 Jahre später. Und heute kann ich mir den Papst wirklich nicht mehr als Samurai mit Schwert vorstellen. Der einzige Schwertführer ist Herr Stadler selbst. Aber christlich ist das nicht zu legitimieren.

Aber nur weil die Vorstellung später gekommen ist, heißt das ja nicht, dass sie falsch ist.
Aus der kirchlichen Position betrachtet ist sie falsch.

Aus Stadler’scher Position, meint er. Die kirchliche Position ist eine ganz andere, und die interessiert ihn ja gar nicht.

Sollte der Glaube nicht Privatsache sein?
Nein, der Glaube ist keine Privatsache.

Christentum ist eine Beziehungsreligion und Beziehung ist im Kern nicht öffentlich, auch wenn sie in die Öffentlichkeit hineinreicht.

Wie ist Ihre Meinung zur europäischen Gemeinschaft, wie sie jetzt ist? Ist sie heilig genug?
Die EU leugnet Gott sogar. Das ist auch der Vorwurf, den ich ihr mache. Sie versucht ein neues Ersatzwertesystem zu kreieren, die sogenannten europäischen Werte, von denen aber keiner weiß, was sie sein sollen. Keiner kann diese sogenannten europäischen Werte definieren. Deswegen ist das auch so eine Art verlogene Debatte, in der Europa versucht sich von den eigenen christlichen Wurzeln abzuschneiden.

Die Stadler‘schen Werte kann er vielleicht sogar klar definieren – aber Gott möge uns vor diesen beschützen! Außerdem: Wie wär’s mit menschlichen Werten, Herr Stadler? Die wären dann nicht direkt christlich, muslimisch oder buddhistisch, aber diesen nicht unähnlich. Warum tun Sie sich mit menschlichen Werten so schwer?

Wenn sie schon erleuchtet sind oder schon in Berührung mit Jesus waren – Passiert das im Kindesalter – oder wann fällt die Entscheidung, wie man ein guter Christ wird?
Das kann Ihnen jederzeit passieren. Es gibt Atheisten, die sich noch im Sterbebett bekehrt haben. Zwei Prominente will ich Ihnen nennen. Einer der gehässigsten Kirchenverfolger war der Philosoph Voltaire. Er hat sich noch am Sterbebett bekehrt. Ein anderer war der Feldherr Napoleon, wie man heute weiß.

Tja, und Herr Stadler hat gar nicht so lange gewartet wie Napoleon, führt sich aber immer noch so auf!

Da ich ja nicht christlich aufgewachsen bin, erklären Sie mir ganz kurz den Unterschied zwischen Kreuz und Kruzifix?
Kreuz ist die Kreuzdarstellung ohne Korpus darauf. Kruzifix ist das Kreuz mit dem Korpus darauf. Das ist ein riesiger Unterschied. Kennt der Strache übrigens auch nicht, da sind Sie nicht allein.

Strache kennt vieles nicht, und Stadler offenbar auch nicht. Zumindest vom Konzil aufwärts nicht.

Welches soll im Klassenzimmer hängen? Das Kreuz oder das Kruzifix?
Das steht im Gesetz. Also soll das Kruzifix auch dort hängen.

Wenn ihm das Gesetz passt, dann ist er natürlich für das Gesetz. War nicht anders zu erwarten.

Na gut. Nur weil es im Gesetz steht, muss es ja nicht so sein. Gesetze werden novelliert.
Ich habe eine Position dazu. Meine Position ist klipp und klar. Das hat in öffentlichen Gebäuden zu hängen – und nicht nur in Klassenzimmern – sondern in allen öffentlichen Gebäuden. Ich bedauere ja, dass im Parlament in keinem der allgemein zugänglichen Räume ein einziges Kruzifix hängt. Auch im EU-Parlament. Dort finden Sie zwar gleich zu Beginn, wenn Sie hineingehen, eine Freimaurersteinsetzung, aber kein einziges Kreuz oder Kruzifix.

Stadler hat immer eine Position, klipp und klar. Mal auf der einen, mal auf der anderen Seite, aber immer klipp und klar!

Sie stehen ja auch dem Parlament sehr kritisch gegenüber. Wieso wollen Sie denn unbedingt hinein gewählt werden? Wieso möchten Sie in eine Institution, welche Sie eigentlich abschaffen möchten?
Weil Sie gewisse Dinge nur von innen verändern können. Sie müssen in die Institution. Es gibt zwei Möglichkeiten die Dinge zu verändern: Entweder evolutionär oder revolutionär. Ich bin kein Revolutionär. Ich bin für die evolutive Vorgangsweise. D.h. Sie müssen sich an Regeln halten und Sie können innerhalb der Institution Dinge verändern, aber nicht außerhalb. Außerhalb gelingt es nur Revolutionären. Und Revolutionen haben furchtbare Folgen gezeitigt. Das ist nicht meine Sache.

Bleibt als letzte Frage, ob die Stadler‘sche evolutionäre Veränderung nicht auch furchtbare Folgen hätte?

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2 Gedanken zu “Ewald Stadler: „Glauben ist keine Privatsache“

  1. Herr Harsieber, wir danken Ihnen für Ihre offenen und ehrlichen Worte. Bitte betreuen Sie uns bald wieder. 🙂

    Na,na, wirklich eine tolle Stellungnahme; das kann man sich ruhig zum Vorbild nehmen, denke ich.

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